Obwohl die erste Präsentation auf der Brücke 1 erst um 16:00 Uhr stattfinden sollte, stieg die Spannung bei den beiden Präsentierenden Dr. Michael Gluch und Sandro Fischer schon kurz nach 14:00 Uhr: Technische Probleme machten sich bei den Vorbereitungsarbeiten bemerkbar und so hatten die beiden alle Hände voll zu tun, um die notwendigen Parameter aufeinander abzustimmen. Pünktlich um 16:00 Uhr öffnete Sören Bolz, der gemeinsam mit den drei Studentischen Hilfskräften Katharina Ernst, Marie Reitze und Niklas Kerth den Einlass und die Besucherströme zu den Präsentationen regelte, die Tür am MSCW.
Die ersten Besucher strömten auf die Brücke 1. Professionell wie in den Vorjahren auch begannen die beiden Forscher die Vorstellung ihrer Arbeit und zeigten dabei auch die Leistungsfähigkeit des Ship-Handling-Simulators. Das diesjährige Thema lautete:
„Assistenzsysteme zur Planung und Durchführung komplexer Schiffsmanöver“
Das Manövrieren von Schiffen beginnt stets mit der strategischen Planung von Steuersequenzen durch die nautischen Offiziere. Diese werden abhängig von den jeweiligen Umgebungsbedingungen auf Grundlage von Erfahrung, Ausbildung und der individuellen mentalen Vorstellung über die Wirkungsweise der Steuerorgane gewählt. In der Regel reichen diese Fähigkeiten aus, um ein Schiff sicher in ausgewiesenen Fahrwassern zu manövrieren.Das damit erlernte Sicherheitsempfinden ist jedoch trügerisch: Unter schwierigen Umweltbedingungen stößt die vorwiegend lineare menschliche Vorstellungskraft an ihre Grenzen. Die tatsächlichen physikalischen Prozesse und ihre Wechselwirkungen lassen sich dann kaum noch vollständig erfassen. In solchen Situationen greifen Schiffsführer meist äußerst vorsichtig und selten kombiniert in die Steuerung ein – ein Vorgehen, das Zeit kostet und bei Fehleinschätzungen nur geringe Korrekturmöglichkeiten bietet.
Um hier zu unterstützen, hat das Institut für Innovative Schiffs-Simulation und Maritime Systeme des Bereichs Seefahrt, Anlagentechnik und Logistik der Hochschule Wismar eine Software zur Planung und Durchführung von Manövern in engen Fahrwassern entwickelt. Auf Basis hochdynamischer Schiffsmodelle können Manöver realitätsnah simuliert, geplant und trainiert werden – ohne das reale Schiff einsetzen zu müssen. Während des Trainings oder direkt an Bord lassen sich die geplanten Manöver als Bahnvorhersage anzeigen. Ein Soll/Ist-Vergleich mit der aktuellen Bahnvorhersage ermöglicht eine präzisere und systematischere manuelle Steuerung. Durch die Nutzung dieser Manöverplanungssoftware werden Strategien und deren mögliche Variationen transparent und im Vorfeld überprüfbar. Dies erhöht die Sicherheit und trägt zur Schonung der Schiffsbetriebsmittel bei.
Um 16:30 Uhr starteten Prof. Dr.-Ing. Jean Rom Rabe und Georg Finger die zweite Präsentationsreihe im Schiffsmaschinensimulator:
„Praxis statt Prospekt: Klimaneutral an Bord“
Im Simulator erleben Sie modernen Schiffsbetrieb live: Technik, Antrieb, Energie- und Emissionsmanagement. Wir erklären aktuelle Forschungsprojekte, Trends und welche Lösungen an Bord wirklich sinnvoll sind – Sustainable Engineering seit 180 Jahren. Schiffe sind – auch abseits von Kreuzfahrten – kleine schwimmende Städte. Im Schiffsmaschinensimulator zeigen wir, wie moderner Betrieb funktioniert: Antrieb, Energie- und Emissionsmanagement, Bordnetze und Thermomanagement. Wir erklären, warum Effizienz schon in der Konstruktion beginnt – und wie sich Schiffe über ihre Lebensdauer durch neue Technologien, Eigner-Entscheidungen und Vorgaben verändern. Alternative Kraftstoffe und Innovationen werden anschaulich dargestellt und kritisch auf Sinnhaftigkeit, Machbarkeit und Wirkung geprüft.
Etwas später begann Prof. Dr.-Ing. Jürgen Siegl seine Präsentationsreihe mit dem Thema:
„Forschung und Seefahrt: Wie passt das zusammen?“
Um die Seefahrt sicherer und effizienter zu machen, werden nicht nur hochqualifizierte Seeleute gebraucht, es müssen auch neue Erkenntnisse gewonnen werden. In einer Präsentation soll gezeigt werden, wie am Bereich Seefahrt, Anlagentechnik und Logistik ausgebildet und geforscht wird.
Insgesamt 73 Besucher haben sich im MSCW die Präsentationen angesehen. Auch angesichts der großen Konkurrenz im Stadtbereich/Südstadt war das für die Warnemünder ein großer Erfolg. Nicht nur die Brücke 1, auch der Schiffsmaschinensimulator war dabei gut besucht. Den Veranstaltern hat es wieder viel Spaß gemacht und alle können sich vorstellen, auch im kommenden Jahr bei der LNDW wieder mit dabei zu sein.
Ship-Handling-Simulator (SHS)
Ship-Engine-Simulator (SES)
