Stralsunder Baukultur im 17. und 18. Jahrhundert

Unter diesem Titel stand das Teilprojekt, das im Rahmen des Gesamtprojektes „Städtesystem und Urbanisierung im Ostseeraum in der Neuzeit“ im Jahre 2005 bearbeitet wurde.

Das Projekt wurde in enger Kooperation zwischen der Universität Rostock, der Hansestadt Stralsund und der Hochschule Wismar entwickelt und durchgeführt.

Die Internetpräsentation des Projekts entstand im Rahmen einer Diplomarbeit von Andrea Kludt an der Hochschule Wismar zwischen November 2005 und Januar 2006.

Projektbearbeitung an der Hochschule Wismar: Prof. Dr.-Ing. Frank Braun (Leiter), Sabine Kahle M.A. (Kunsthistorikerin; März bis Dezember 2005), Friederike Thomas M.A. (Kunsthistorikerin; März bis Dezember 2005)

Projektbearbeitung in der Stadtverwaltung Stralsund:
Dr. Ursula Markfort

Forschungsstand

In der historischen Altstadt von Stralsund nimmt die Architektur des 17. und 18. Jahrhunderts einen großen Raum ein. Betrachtet man die Quantität der barocken bzw. barock überformten Gebäude im Stadtgefüge, so machen diese einen Anteil von ca. 30% der heutigen Vorderhausbebauung aus. Obwohl also die Architektur der Barockzeit zahlenmäßig stark vertreten ist, ist sie bisher erstaunlich wenig erforscht.

Es gibt lediglich kurze Abhandlungen zur Baukunst der Zeit aus den 1920er Jahren von William Anderson und D. Gerlach. Im Rahmen der Untersuchungen zum Baubestand und zur städtebaulichen Denkmalpflege durch die Bauakademie der DDR im Jahre 1958 gibt es eine kurze Darstellung der Stralsunder Baugeschichte des 16. bis 18. Jahrhunderts von Herbert Ewe.

Ein erster Überblick über den gesamten barocken Baubestand konnte im Rahmen der flächendeckenden Gebäudeerfassung (Kurzinventarisation) in den Jahren 1992-1995 gewonnen werden. Eine wichtige Grundlage für die nähere Erforschung der barocken Baukultur bildet der im Jahr 2001 begonnene Denkmalplan, der Teil des für den Welterbeantrag erarbeiteten Managementplans ist. Es handelt sich dabei im Rahmen des Katasters der Baudenkmale um eine vertiefende, systematische Untersuchung sämtlicher unsanierter Gebäude unabhängig von ihrer Entstehungszeit. Inzwischen sind knapp 150 Häuser hinsichtlich ihrer historischen Raumstrukturen und Ausstattungselemente erfasst. Ein wichtiger Bestandteil der Dokumentationen ist die Auswertung sämtlicher schriftlicher und bildlicher Quellen zu jedem einzelnen Gebäude. Die dabei gewonnenen Informationen liefern wertvolle neue Erkenntnisse zur Stralsunder Baukultur des 17./18. Jahrhunderts.

Darüber hinaus liegen eine weitgehend flächendeckende Bestandsaufnahme der Keller der Altstadt (Kellerkataster) vor sowie für einzelne Gebäude dendrochronologische Ergebnisse, vertiefende Dokumentationen zu ausgewählten Dachstühlen, Restaurierungs- und Modernisierungsgutachten. Die genannten Einzeluntersuchungen liefern wertvolle Informationen für die zeitliche Einordnung der behandelten sowie vergleichbarer Gebäude, z. B. hinsichtlich ihrer Konstruktionen, Baudetails, Farbfassungen u. ä.

Arbeitsprogramm

Im Rahmen des Projektes wurden die folgenden Schwerpunkte bearbeitet:

  • Zusammenstellung einer Liste von 50 besonders aussagekräftigen Gebäuden des 17. und 18. Jahrhunderts für die nähere Untersuchung
  • Gebäudebegehungen und Dokumentationen sämtlicher barocker Befunde in Text und Fotos
  • Auswertung von hausbezogenem Quellenmaterial im Stadtarchiv Stralsund sowie Zusammenstellung weiterer bauhistorisch relevanter Unterlagen
  • Verknüpfung der Erfassungsergebnisse mit den Aussagen der Schriftquellen und Rekonstruktion der Baugeschichte
  • Formulierung der Texte und Zusammenstellung der Fotos sowie des historischen Bild- und Kartenmaterials für die Internetpräsentation
  • Erarbeitung einer Internetpräsentation
  • Vergleichende Auswertung
  • Abschlusspublikation

Die ersten fünf Schwerpunkte wurden von Sabine Kahle und Friederike Thomas bearbeitet. Die Internet-Präsentation entstand im Rahmen der Diplomarbeit von Andrea Kludt an der Hochschule Wismar. Die vergleichende Auswertung wird derzeit gemeinsam von Frank Braun, Sabine Kahle, Ursula Markfort und Friederike Thomas bearbeitet. Die Publikation der Ergebnisse ist für Ende 2006/Anfang 2007 geplant.

Ergebnisse

Nach Abschluss des Projektes liegen umfangreiche Informationen zum Hausbau in Stralsund im 17. und 18. Jahrhundert vor, die derzeit unter verschiedenen Aspekten vergleichend ausgewertet werden.

Im Rahmen des Forschungsprojektes wurde an 50 Gebäuden die Neu- und Umbautätigkeit der Barockzeit untersucht. Mit dieser Internet-Präsentation steht das gesammelte Material als digitales Informationssystem „Hausbiografien Stralsunder Häuser des 17. und 18. Jahrhunderts“ zur Verfügung.

Für jedes Gebäude wurde eine sogenannte „Hausbiografie“erarbeitet, die nach einem einheitlichen Schema wichtige Abbildungen und textliche Informationen enthält. Text und Bildauswahl wurden von Sabine Kahle und Friederike Thomas bearbeitet, die Umsetzung in die Internetpräsentation erfolgte durch Andrea Kludt. Layout und Grundstruktur lehnen sich an das Wismarer Teilprojekt an.

Der Aufbau der Hausbiografien ist in einer Informationsdatei beschrieben. Bitte lesen Sie unbedingt die Informationsdatei (pdf-Datei, 44KB), bevor Sie das Informationssystem öffnen!

Eine abschließende Publikation erfolgt im Rahmen der Veröffentlichung der Tagungsbeiträge der 4. internationalen Forschungskonferenz, die am 8. und 9. September 2005 in Stralsund unter dem Thema „Stadt und Meer im Ostseeraum während des 17. und 18. Jahrhunderts: Seehandel, Sozialstruktur und Hausbau – dargestellt in historischen Informationssystemen“ durchgeführt wurde (Herausgeber: Frank Braun, Stefan Kroll und Kersten Krüger).

Literaturhinweise
  • Anderson, William: Stralsund, ein Feld für schwedische Kunstgeschichtsforschung. In: Stralsundische Zeitung Bd. I (1920), Nr. 151
  • Anderson, William: Wrangelsche Bauwerke in Pommern, in: Stralsundische Zeitung Bd. II (1920), Nr. 175
  • Anderson, William: Stralsund. In: HVAR -8- DAG, Illusti-Magasin, Göteborg 1928, 29.07.1928, S 676-679
  • Braun, Frank/ Kroll, Stefan (Hrsg.): Städtesystem und Urbanisierung im Ostseeraum in der Neuzeit. Wirtschaft, Baustruktur und Historische Informationssysteme. Beiträge des wissenschaftlichen Kolloquiums in Wismar vom 4. und 5. September (2003). Münster 2004
  • Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Mecklenburg-Vorpommern. München 2000
  • Dörband, Brit: Die Stadt Stralsund als Festung während der Schwedenzeit – Fortifikations- und sozialgeschichtliche Aspekte. Magisterarbeit am Historische Institut der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Fachrichtung Geschichte/ Kunstgeschichte. Unveröffentlicht. Greifswald 1998
  • Ewe, Herbert (Hrsg.): Geschichte der Stadt Stralsund. Weimar 1985
  • Ewe, Herbert: Stralsund. Die Stadt am Meer. Rostock 1997
  • Ewe, Herbert: Zur Baugeschichte Stralsunds. Stralsund im 16., 17. und 18. Jahrhundert. In: Leucht, Kurt W. (Hrsg.): Die Altstadt von Stralsund, Untersuchungen zum Baubestand und zur städtebaulichen Denkmalpflege. Berlin 1958 (Deutsche Bauakademie. Schriftenreihe des Forschungsinstituts für Gebiets-, Stadt- und Dorfplanung), S. 9-58, hier S. 35-44
  • Gerlach, D.: Stralsunds Baukunst in der Schwedenzeit. In : Pommern-Jahrbuch, Jg. 3 (1928), S. 61-72
  • Grabinsky, Anne: Zerstörung und Wiederaufbau. Die Bautätigkeit nach der brandenburgischen Bombardierung von 1678 und dem großen Stadtbrand von 1680. Magisterarbeit 2005 (Universität Rostock)
  • Hacker, Hans-Joachim / Hardenberg, Harry: Die Schwedenstraße. Rostock 2003
  • Hacker, Hans-Joachim: Stralsund von 1630-1720. In: Ewe, Herbert (Hrsg.): Geschichte der Stadt Stralsund. Weimar 1985, S. 168-201
  • Hansestadt Stralsund (Hrsg.): Die Altstadtinsel Stralsund – Illustrierte Denkmalliste. Die Baudenkmale der Altstadt in Text und Bild. Putbus 1999
  • Hansestadt Stralsund, Hansestadt Wismar (Hrsg.): Die historischen Altstädte Stralsund und Wismar. Welterbeantrag. Putbus 2000
  • Hansestadt Stralsund (Hrsg.): Managementplan Altstadt, erarbeitet im Wesentlichen durch die Abteilung Planung und Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Conradi Braum & Bockhorst. Berlin
  • Konze, Marlies: Bauwerke aus der Zeit Friedrichs I. in Schwedisch - Vorpommern. In: Magistrat der Stadt Hofgeismar und Verein für hessische Geschichte und Landeskunde e.V. 1834 Kassel – Zweigverein Hofgeismar ( Hrsg.): Friedrich. König von Schweden, Landgraf von Hessen-Kassel. Studien zu Leben und Wirken eine umstrittenen Fürsten (1676-1751). Kassel 2003, (Begleitband zur Ausstellung), S. 207-232
  • Kroll, Stefan: Stadtgesellschaft und Krieg. Sozialstruktur, Bevölkerung und Wirtschaft in Stralsund und Stade 1700 bis 1715. Göttingen 1997
  • Krüger, Kersten / Pápay, Gyula / Kroll, Stefan (Hrsg.): Stadtgeschichte und Historische Informationssysteme. Der Ostseeraum im 17. und 18. Jahrhundert. Beiträge des wissenschaftlichen Kolloquiums in Rostock vom 21. und 22. März 2002. Münster 2003
  • Kusch, Reinhard: Sralsund von 1720 bis 1815. In: Ewe, Herbert (Hrsg.): Geschichte der Stadt Stralsund. Weimar 1985, S. 202-233
  • Landesamt für Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale in Mecklenburg-Vorpommern. Vorpommersche Küstenregion mit Stralsund, Greifswald, Rügen und Usedom. Berlin 1995
  • Langer, Herbert: Innere Kämpfe und Bündnis mit Schweden. Ende des 16. Jahrhunderts bis 1630. In: Ewe, Herbert (Hrsg.): Geschichte der Stadt Stralsund. Weimar 1985, S. 137-167
  • Leucht, Kurt W. (Hrsg.): Die Altstadt von Stralsund, Untersuchungen zum Baubestand und zur städtebaulichen Denkmalpflege. Berlin 1958 (Deutsche Bauakademie. Schriftenreihe des Forschungsinstituts für Gebiets-, Stadt- und Dorfplanung)
  • Markfort, Ursula: Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts in Stralsund – ein erster Überblick. In: Krüger, Kersten / Pápay, Gyula / Kroll, Stefan (Hrsg.): Demographie, Wirtschaft und Baukultur im 17. und 18. Jahrhundert. Beiträge des wissenschaftlichen Kolloquiums in Rostock vom 15. bis 16. November 2004. Münster 2006, S. 74-113
  • Petersohn, Jürgen: Stralsund als Schwedische Festung. In: Baltische Studien, N.F. Bd. 45 (1958), S. 95-124
  • Trost, Heinrich: Stralsund, Kunstgeschichtliche Städtebücher. Leipzig 1973
Kontakt

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Prof. Dr.-Ing. Frank Braun (Projektleiter)
Postfach 1210
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https://bau.hs-wismar.de/braun/

 

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Abteilung Planung und Denkmalpflege
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Dr. Ursula Markfort (Projektverantwortliche)
Postfach 2145
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Tel. 03831/252616 Fax: 03831/ 252652
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