Digitaler Katalog

Gebäude im Katalog erfasst 

Erfassung in Vorbereitung

Altenbrückentorstraße 11

Altenbrückertorstraße 11
Hausnummer vor 1818: CC 422-424, vor 1866: C 328


Datierungen

  • Fachwerk: 1535 d (2 datierte Proben: Ostgiebel, Eckständer Nordost und Dachbalken) 1 Probe 1526 -10/+10 (Traufwand Nord, 1. Außen- wandständer von Ost), 1 Probe 1538 -6/+8 (Ostgiebel, Eckständer Südost)
  • Dachwerk: Winter 1655/56 d (3 datierte Proben)


Kurzbeschreibung

Im rückwärtigen Bereich des heutigen Grundstücks Altenbrückertorstr. 11/12 steht, direkt an die Ilmenaustraße angrenzend, ein ungewöhnlicher Fachwerkbau, dessen ältester Teil von 1535 (d) zu den ältesten datierten Fachwerkbauten Lüneburgs zählt: ein zusammenhängender Rest eines Wandständer-Geschossbaus mit durchgezapften Ankerbalken im östlichen Teil der nördlichen Traufwand.

Im Urkataster 1875 und auf historischen Fotografien ist zu erkennen, dass dieser Bau mit unregelmäßigem Grundriss unverbaut auf dem Grundstück Altenbrückertorstr. 11 stand und sich mit der südlichen, leicht geknickten Traufwand zu einem kleinen Platz vor der Ilmenaubrücke orientierte.

Von dem Geschossbau heute noch die beiden Eckständer des Ostgiebels sowie drei nach Westen anschließende Außenwandständer der nördlichen Traufseite mit dreifacher, gezapfter Riegelkette und drei Ankerbalken (Nadelholz; alle anderen Hölzer Eiche) erhalten; außerdem ein geblattetes Kopfband im Ostgiebel und der obere Teil einer ebenfalls aufgeblatteten Langstrebe, die ursprünglich wohl über alle vier erhaltenen Ständer reichte. An zwei Außenwandständern der nördlichen Traufseite noch das Hirnholz aufgeblatteter Kopfbänder zur Queraussteifung erkennbar (Bundseite Westen). Sowohl die Außenwände als auch das Dachwerk mehrfach umfassend erneuert, verändert bzw. instand gesetzt.

Die in recht engen Abständen von 80 bis 90 cm stehenden Ständer der nördlichen Traufseite weisen (wie auch einige Riegel) noch stark verwitterte Reste von Abbundzeichen auf: in Höhe der mittleren Riegelkette die eingeschlagenen römischen Zeichen VIIII, VIII und VII (von Ost nach West), in Höhe der oberen Riegelkette gestemmte rechteckige Kerben in entsprechender Anzahl. Daraus lässt sich eine ursprünglich geringfügig kürzere Gebäudelänge überschlägig ermitteln; der ursprüngliche Umriss des Gebäudes bleibt aber unklar.


Eigentümer und Bewohner

Zu den Eigentümern und Bewohnern des Hauses und seine Nutzung im 16./17. Jahrhundert liegen bisher keine gesicherten Erkenntnisse vor.


Literatur:
Böker 2010, S. 162; Terlau-Friemann 1988, S. 82


Quellen:

  • Wolfgang Rüther: Lüneburg, Altenbrückertorstr. 11-12. Bauhistorische Untersuchung und Dokumentation. Bremen, Januar/Februar 1997
  • Universität Hamburg, Ordinariat für Holzbiologie, Dipl.-Holzwirt Sigrid Wrobel: Dendrochronologische Untersuchung von Hölzern aus Lüneburg, Altenbrucker Torstr. 11-12 (Gutachten vom 5.3.1997)
  • Joachim Gomolka (Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege): Dendrochronologische Untersuchung Lüneburg, Altenbrückertorstr. 11/12. Vermerk vom 12.01.1998 (darin auch das dendrochronologische Gutachten des Dendrochronologischen Labors Göttingen vom 19.12.1997 enthalten)
  • Eigene Besichtigungen im August 2013

letzte Aktualisierung: 14. August 2013

Am Berge 25

Am Berge 25
Hausnummer vor 1818: CC 422-424, vor 1866: C 328

Datierungen

  • Dachwerk Vorderhaus: westlicher Teil Winter 1483/84 d (10 datierbare Proben)
  • Fachwerkbau an der nördlichen Grundstücksgrenze: 1617 i
  • Seitenflügel an der Papenstraße: 1620 i

 
Kurzbeschreibung

Eckgrundstück mit komplexer Bebauung, die im Zusammenhang mit dem nördlich anschließenden Nachbarhaus Nr. 26 zu betrachten ist. Die gesamte Bausubstanz im 19. und 20. Jh. im Äußeren und Inneren stark überformt und bis heute in den Hauptgeschossen intensiv genutzt. In der Stadtansicht um 1598 ist ein giebelständiges Eckgebäude mit einem Seitenflügel an der Papenstraße dargestellt, nördlich schließt offensichtlich ein schmales traufständiges Gebäude (?) die Lücke zur Prämonstratenser-Klosterkirche Heiligenthal, die im 19. Jh. abgebrochen wurde.

Das Eckhaus Am Berge/Papenstraße besteht nach Befunden im Dachwerk und in der südlichen Traufseite offensichtlich aus einem älteren vorderen Teil und einem jüngeren östlichen Teil mit Rückgiebel und nördlicher Traufwand in Fachwerk (Verlängerung oder Erneuerung?). Die westlichen 10 Gebinde hinter dem Straßengiebel von 1483/84 d: Kehlbalkendach mit 3 Kehlbalkenlagen und einfach stehendem Stuhl auf der unteren Kehlbalkenlage, Dachgeschoss ausgebaut. Dachneigung ca. 60 Grad, Eichenholz, Sparren am First geblattet, Kehlbalken mit Schwalbenschwanzblatt. Geschlagene Abbundzeichen in Strichaddition, 10 = X. Die südliche Traufseite in diesem Bereich im Erd- und (nachträglichen?) Zwischengeschoss später verändert, im OG jedoch über horizontalem Putzstreifen mit Formziegelrahmung noch Fenster- bzw. Nischengliederung aus doppelt gestuften, im Wechsel grün glasiert/unglasiert gemauerten Viertel- und Halbkreisziegeln mit Segmentbogenabschluss erhalten (s. Foto). Am östlichen Ende dieses Bauabschnitts kräftiger Holzsturz über dem Zwischengeschoss.

Der östliche, etwa 7 Meter lange Abschnitt der südlichen Traufwand über dem Zwischengeschoss ebenfalls mit kräftigem Holzsturz, nachträglich lotrecht mit Auskragungen untermauert. Das OG nimmt, unterbrochen durch einen breiteren Mauerwerkspfeiler, die Gliederung des westlichen Teils auf, jedoch fehlen hier die glasierten Formziegel (s. Foto). Der zugehörige, 6 Gebinde umfassende Abschnitt des Dachwerks aus Kiefernholz und mit eigener Zählung der Abbundzeichen (Gebinde I bis V). Dendrochronologisch nicht datierbar, anhand der Abbundmerkmale Errichtung im 16. Jh. zu vermuten. Die nördliche Traufseite in diesem Abschnitt offensichtlich in Fachwerk mit Zierausfachungen ausgeführt.

Hinter dem Eckhaus an der Papenstraße anschließender Seitenflügel, inschriftlich in der Saumschwelle des OGs auf 1620 datiert (s. Foto): Traufwand zur Papenstraße mit hohem EG mit Ziegelaußenwänden und aufgesetztem, auskragendem Fachwerk-OG. EG nachträglich zweigeschossig unterteilt. Vorgängerbebauung nicht geklärt (s. Darstellung in der Stadtansicht um 1598). Nach Brandschaden 1997 wurde an der Deckenunterseite im hohen EG eine in rötlichen und blauen Tönen gehaltene Deckenmalerei gefunden und dokumentiert, die auf einen ehemaligen Saal hinweist: „qualitätvolle Groteskenmalerei mit floralen Motiven sowie Fruchtbündeln, zwischen denen Puttoköpfe und Tierdarstellungen (Vögel, Bär, Eichhörnchen) angeordnet sind.“ (Böker 2010, S. 171).

Fachwerk und Dachwerk im gebundenen System in 16 Gebinden errichtet, Abbundzeichen in römischer Zählweise (auf der Nordseite eingeschlagen, auf der Südseite in dreieckigen Fähnchen eingestochen, s. Foto). Längsaussteifung durch kräftige Fußbänder in Reihung. Vorkragende Decken- und Dachbalkenlage mit profilierten Balkenköpfen und Unterstützung durch profilierte Knaggen, Zwischenräume mit Formziegeln ausgemauert. Fachwerkstruktur zwischen dem 12. und 14. Gebinde für einen (heute nicht mehr vorhandenen) auskragenden Erker unterbrochen, Balkenköpfe dort glatt, vermutlich abgesägt. Zwischen dem 7. und 8. Gebinde ursprünglich Türöffnung mit geschnitzter Rahmung und geschweiftem Sturz mit Initialen der Bauherren IP und AP (s. unten).

Die restauratorische Untersuchung der Fachwerkfassade wies für das Fachwerk als einzige Fassung „Reste von Rot, Caput mortuum“, für die Ausfachungen als älteste Fassung „weißgrau“, darauf „helles Gelb“ und „helles Grau“ nach (Furmanek 1997).

Das Dachwerk als Kehlbalkendach mit doppelter, in die Sparren gezapfter Kehlbalkenlage und stehendem Stuhl unter der unteren Kehlbalkenlage; Kiefernholz, untere Kehlbalkenlage zweitverwendet (Eiche). Die westlichen 3 Gebinde unsymmetrisch über schmalerem Grundriss abgebunden, um eine bessere Belichtung des Vorderhauses zu ermöglichen. Auf dem Dachboden des Flügelbaus in den 1990er Jahren Fund eines bleiverglasten Schiebefensters aus Eichenholz, für das eine ausführliche Dokumentation vorliegt (Henschke 1999). Ursprünglich wohl zum Fachwerk-OG gehörig (heute im ehem. Museum für das Fürstentum Lüneburg, Lüneburg).

An der nördlichen Grundstücksgrenze ein weiterer zweistöckiger Fachwerkbau des 17. Jh. mit 10 Gebinden, der vom Vorderhaus Nr. 26 heute durch offensichtlich jüngere Zwischenbauten getrennt ist; ursprünglich Seitenflügel zum Vorderhaus Nr 26? Fachwerk im EG später verändert, OG noch im wesentlichen unverändert mit Inschrift „1617“. Im Inneren noch 2 geschweifte Kopfbänder mit gefasten Kanten. Dachwerk als Kehlbalkendach mit einfacher gezapfter Kehlbalkenlage, Nadelholz.


Eigentümer und Bewohner

Als Eigentümer des Grundstücks sind im 15. und 16. Jh. u.a. der Bürgermeister Heinrich Rybe (1434), Lutke II. Wichtenbek und sein Sohn Lutke III. (1487; Kramer und Fernhändler) nachzuweisen, danach Lutge Reinstorf (Faktor der Fugger in Lüneburg) und der Glockengießer Hans Konow (1498; Eckhaus „tome guldenen Hanen“), der mit einer Enkelin von Lutge Reinstorf verheiratet war. Eine Tochter Hans Konows war verheiratet mit Lutge Schrantz, dem ersten Brauer auf diesem Grundstück (1544). Dessen Enkelin Anna heiratet Johann Pinning (Sohn des Müllers auf der Lüner Mühle), der 1628 stirbt. Anna und Johann Pinning waren somit die Auftraggeber für den Seitenflügel an der Papenstraße und den Fachwerkbau an der nördlichen Grundstücksgrenze (s.o.). Erst 1864 wird die Braupfanne aus dem Haus entfernt.


Literatur:
Böker 2010, S. 169 ff.; Dehio 1992, S. 895; Henschke 1999; Krüger/Reinecke 1906, S. 390; Malaschewski/Schulz 2001; Pessenlehner 1998


Quellen

  • Peter Furmanek, Hannover: Dokumentation Lüneburg, Papenstraße, Fachwerkhaus, Farbrestauratorische Untersuchung, 1997
  • Universität Hamburg, Ordinariat für Holzbiologie, Dipl.-Holzwirt Sigrid Wrobel: Dendrochronologische Untersuchung von Hölzern aus Lüneburg, Am Berge 25 (Gutachten vom 27. September 2001 zum Vorderhaus und vom 18. Oktober 2001 zum südlichen Seitenflügel)
  • Eigene Besichtigungen im Oktober 2006 und Juli 2011

letzte Aktualisierung: 12. Juli 2011

Am Berge 37

Am Berge 37
Hausnummer vor 1818: BB 381, vor 1866: B 260

Datierungen

  • Inschrift im Portal des Straßengiebels: 1568
  • Südliches Dachwerk: vorderer, westlicher Teil Winter 1484/85 und 1485/86 d (7 datierbare Proben); hinterer, östlicher Teil Winter 1572/73 d (6 datierbare Proben)

Kurzbeschreibung

Der Gebäudekomplex zählt zu den wichtigsten Bauten der Renaissance in Lüneburg und ist bisher nicht umfassend baugeschichtlich untersucht. Das straßenseitige Erscheinungsbild eines traufständigen dreigeschossigen Vorderhauses mit Walmdach verdeckt die dahinter liegenden Baustrukturen, die eigentlich aus zwei, unmittelbar nebeneinander liegenden giebelständigen Bauten unterschiedlicher Länge und der überbauten Tordurchfahrt an der nördlichen Grundstücksgrenze bestehen (s. Kartenauszüge).

Die Straßenfassade (letzte Instandsetzungen/Restaurierungen 1977 und 1995) teilt sich in einen symmetrischen, 5-achsigen Hauptteil mit dreigeschossigem Aufbau und die seitliche, zweigeschossig ausgebildete Tordurchfahrt. Der Hauptteil gerahmt durch seitliche Halbsäulen auf Postamenten, über EG und 1. OG profilierte Gesimse. Mittig das aufwändig gestaltete Rundbogenportal mit reichem Schmuck, Inschrift „1568“ und Wappen der Familien Mutzeltin und Tobing (s.u.). Die seitliche Tordurchfahrt ebenfalls als repräsentatives Rundbogenportal ausgebildet. Schmuckelemente vermutlich aus Sand- bzw. Kalkstein, sonst Ziegelmauerwerk, verputzt bzw. geschlämmt.

In der Literatur wird das heutige Erscheinungsbild häufig auf das 16. Jahrhundert zurückgeführt. Die Darstellung eines giebelständigen Gebäudes in der Stadtansicht um 1598 (s. Abb.) sowie erkennbare Unregelmäßigkeiten in den heutigen Putzoberflächen und auf einer historischen Fotografie (s. Abb.) deuten in Verbindung mit Abbundmerkmalen des Walmdaches (s.u.) jedoch auf jüngere Veränderungen der Straßenfront im 18. oder 19. Jh. hin, die erst durch sorgfältige restauratorische Untersuchungen geklärt werden können.

Von den beiden giebelständigen Bauten im rückwärtigen Bereich dominiert der nördliche, 3- bis 4-geschossige Teil durch seine Länge (insgesamt über 35 m sichtbar!) und die aufwändige Fassadengestaltung der Nordfassade, die als Schauseite ausgebildet ist (EG verändert; in den oberen Geschossen Öffnungen mit Segmentbogenstürzen und Einfassung aus Viertel- bzw. Halbkreis-Formziegeln, im Wechsel glasiert/unglasiert; einige Fenster mit fest stehender Bleiverglasung über dem Kämpfer, profilierte und geschnitzte Mittelpfosten von außen erkennbar). Horizontale Gipsputzstreifen zwischen den Geschossen und unter der Traufe im Zuge von Instandsetzungsarbeiten 2010 nach Befund wieder hergestellt. Die aufwändige Gestaltung hängt vielleicht auch mit einem früheren öffentlichen Durchgang (zum Hafen?) zusammen, der in einer Karte von 1802 noch dargestellt ist (s. Abb. Auszug Appuhn 1802: „Lopaus Durchgang“, unleserlich). Die südliche Hofseite wie der östliche Giebel hingegen schlicht in Sichtmauerwerk gehalten mit vielen Hinweisen auf jüngere bauliche Veränderungen (Öffnungen, Schornsteine etc.). Abgrenzung/Übergang Vorderhaus/Seitenflügel nicht eindeutig feststellbar.

Der südliche giebelständige Bau an Rückgiebel und Dach erkennbar. Der vermutlich mit der Dachverlängerung 1572/73 d entstandene Rückgiebel (s. Foto) in Sichtmauerwerk mit horizontalen Taustab-Bändern und langen kräftigen Holzstürzen, die auf frühere große Öffnungen hindeuten (hier der bei Terlau-Friemann 1994, S. 166, beschriebene Saal mit Wandvertäfelung von 1572 zu vermuten?) Zahlreiche Hinweise auf spätere bauliche Veränderungen (Vereinfachung des Giebelumrisses, mehrfache Veränderung der Fensteröffnungen und -gliederungen, Teilflächen verputzt etc.).

Das Gebäude straßenseitig offensichtlich voll unterkellert, drei parallele Tonnen, senkrecht zur Straße. Zwischen den Tonnen segmentbogige Arkaden mit Viertelstabprofil auf Pfeilern. Repräsentatives Treppenhaus mit Türbekleidungen in Jugenstilformen, Ständer mit Initialen „WG“ (Hinweis auf die hier um 1900 ansässige Möbelfabrik Wilhelm Grössner, s. Ausschnitt des Briefkopfes mit schematischer Darstellung der Bebauung). Im gesamten Gebäudeinneren zahlreiche Hinweise auf ältere Bausubstanz des 15./16. Jh.: ehemaliger Sturzbalken mit Schiffskehlenprofil in der nördlichen Außenwand zur Durchfahrt, gemauerte Spindeltreppe vom EG bis zum DG (s. Foto und Henschke 1994), einige Fenster in der nördlichen Traufwand noch mit profilierten und geschnitzten Pfosten und Zargen (s. Foto und Krüger/Reinecke 1906, S. 366).

Die Dachkonstruktion zusammengesetzt aus 3 Teilen: zwei giebelständige Dachwerke hinter dem straßenseitigen Walmdach, das die Durchfahrt mit überdeckt. Sparren des Walmdaches aus Nadelholz mit schwachen Querschnitten, Kehlbalken überwiegend Eiche, zweitverwendet, gezapft. Keine systematischen Abbundzeichen zu erkennen, daher späte und nachträgliche Errichtung zu vermuten (18. oder 19. Jh.?).

Das nördliche Kehlbalkendach besteht aus zwei Teilen, die gleichartig aus Kiefernholz abgezimmert, aber getrennt durchnummeriert sind. In beiden Teilen auf der Südseite geschlagene Zeichen, röm. Zählung, im westl. Teil aber 10 = VV, im östl. Teil 10 = X; auf der Nordseite eingeschlagene rechteckige Macken in Addition.

Im südlichen Dach zwei Bauphasen datiert: straßenseitig noch 9 Gebinde von 1484-86 sowie vermutlich wiederverwendete Hölzer im südlichen Walm des vorderen Walmdaches (geschlagene Striche in Reihung, dicht am First oberhalb der oberen Kehlbalkenlage). 1572/73 d nach Osten Verlängerung um 5 Gebinde (Südseite geschlagene röm. Zeichen, Nordseite Fähnchen). Konstruktiv kaum Unterschiede: beide Teile mit schwalbenschwanzgeblatteten Kehlbalken, die untere Lage im jüngeren Teil etwas höher.

Eigentümer und Bewohner

Informationen zu den Eigentümern des Grundstücks von 1407 bis 1693 wurden von Ulrich Brohm 2007 zusammengestellt (s. pdf-Datei). Demnach kann als Auftraggeber der Bautätigkeit in den 1480er Jahren Dietmar Sankenstede nachgewiesen werden (Sülfmeister 1474, Barmeister 1481, Ratsmitglied 1482, Bürgermeister 1487). Für die Veränderungen der 1560er und 1570er Jahren war Albert Musseltin der Auftraggeber (Hochzeit mit Anna Tobing vor 1556, Sülfmeister vor 1563, Barmeister 1571).

Literatur: Böker 2010, S. 175f.; Dehio 1992, S. 896; Henschke 1994; Krüger/Reinecke 1906, S. 364ff.; Malaschewski/Schulz 2001; Püttmann 2011; Terlau-Friemann 1994, S. 164ff.

Quellen

  • Universität Hamburg, Ordinariat für Holzbiologie, Dipl.-Holzwirt Sigrid Wrobel: Dendrochronologische Untersuchung von Hölzern aus Lüneburg, Am Berge 37 (Gutachten vom 18. Oktober 2001)
  • Eigene Besichtigungen im Oktober/November 2006 und Juni 2011

letzte Aktualisierung: 31. Juli 2013

Am Sande 1

Am Sande 1
Hausnummer vor 1818: CC 188-191; vor 1866: C 148-151

Datierungen

  • Terrakottatafel über dem Hauptportal in der Ostfassade: 1548 i
  • Dachwerk: 1. Gespärre von Ost, unterer Kehlbalken 1549 +/-2 d, südlicher Sparren 1550 +/-6 d; 5. Gespärre von Ost, oberer Kehlbalken nach 1486 d; 17. Gespärre von Ost, südlicher Sparren 1547 H/W d

Kurzbeschreibung

Das dreigeschossige Giebelhaus gehört städtebaulich wie bau- und kunstgeschichtlich zu den wichtigsten Bauten Lüneburgs. Gleichwohl haben durchgreifende Veränderungen des 19. und 20. Jh. dazu geführt, dass sich die bis heute erhaltene Bausubstanz des 16. Jh. in erster Linie an den Fassaden, sehr viel weniger aber im Inneren ablesen lässt -  ein in Lüneburg seltener Fall. Selbst an den beiden öffentlich sichtbaren Hauptfassaden (den nach Osten zum Platz Am Sande gerichteten Schaugiebel und die nördliche, zur Grapengießerstraße orientierte Traufseite, s. Fotos) ist die baugeschichtliche Entwicklung der letzten Jahrhunderte durch die jüngste einheitliche Überfassung aus dem 20. Jh. (schwarzer Anstrich mit weißem Fugennetz) nicht detailliert nachzuvollziehen.

Das Innere zuletzt 1955 für die heutige Nutzung durch die Industrie- und Handelskammer durchgreifend verändert. Auch der Vergleich zwischen dem Urkataster 1875 und den heutigen Grundstücksgrenzen belegt die Erweiterung und Verdichtung der Bebauung (s. Kartenausschnitte). Am derzeitigen Bestand an älterer Substanz wohl nur noch Teile des Kellers und das „Dachwerk des 16. Jh. in veränderter Neigung mit zwei angeblatteten Kehlbalkenlagen umgeschlagen“ (Böker 2010, S. 222) erkennbar.

An beiden Schauseiten die Struktur eines ehemaligen Dielenhauses mit hohem Erdgeschoss noch ablesbar. Das 1. OG mit größerer Geschosshöhe als das 2. OG; die Giebelseite mit einem reich verzierten Stufengiebel abgeschlossen. Optisch dominierend der auch das Nachbarhaus überdeckende schwarze Anstrich mit weißem Fugennetz, der wohl auf die ursprüngliche Verwendung schwarz glasierter Ziegel zurückzuführen ist (heute z.B. noch erhalten an der Fassade des Hauses An der Münze 8a). Dieser Anstrich wird nur durch die hell gefassten, geschosstrennenden horizontalen Putzbänder, durch Kreisblenden sowie (im Bereich des Stufengiebels) durch Zwillingsblenden mit Kleeblattstürzen unterbrochen. Die reich befensterten Fassaden werden durch die intensive Verwendung des Taustein-Formziegels (mehrfach gestufte Laibungen und Stürze der Öffnungen, Rahmungen der Putzstreifen, Medaillons und Blenden, s. Foto) stark plastisch durchgebildet und als Fläche fast vollständig aufgelöst.

Wichtiges Gestaltungselement sind die in beiden Fassaden erhaltenen und 2006 aufwändig restaurierten Terrakotta-Medaillons bzw. –tafeln, die in Lüneburg noch heute an einer ganzen Reihe von Häusern erhalten sind. Von insgesamt 35 Einzelelementen finden sich drei sogar am Nachbarhaus Am Sande 2, sind hier allerdings vermutlich erst nachträglich angebracht worden. Auf der Grundlage jüngerer Untersuchungen der letzten 10 Jahre lassen sich die folgenden Erkenntnisse zu den Terrakotten zusammenfassen (nach D´ham 2003, Furmanek 2006 und Tillwick 2006):

  • Alle Terrakotten haben einen dreischichtigen Aufbau: auf der grobkörnigen Keramik in rötlich bis orange-brauner Farbe befindet sich zunächst eine poröse feinkörnige dünne Engobeschicht, hellgrau bis weißocker, zur Steigerung der Leuchtkraft der polychromen transparenten Blei- bzw. Blei-Zinn-Glasuren in blauen, weißen, braunschwarzen, gelben, grünen und violetten Farbtönen.
  • Als Motive finden sich auf den Medaillons männliche und weibliche Brustbilder im Flachrelief, Köpfe in Frontalansicht, delfinreitende Putti, Löwen, sowie die Darstellung der Simsonlegende; eine rechteckige Tafel trägt die Jahreszahl 1548, daneben befinden sich Platten mit der Darstellung einer Kriegerin und eines Kriegers. Einige Formen sind identisch, unterschieiden sich aber durch wechselnde Farbauswahl.
  • Der Künstler ist bisher unbekannt; teilweise handelt es sich um Abformungen nach Vorbildern von Motiven der Lübecker Werkstatt des Statius von Dühren in einer Lüneburger Töpferei.

In den letzten 150 Jahren wurden erhebliche Veränderungen an den Fassaden vorgenommen (nach D´ham 2003, S. 48f. und Furmanek 2006):

  • 1857 Abtragen der Giebelstaffeln wegen Baufälligkeit (vgl. historische Fotografie)
  • 1863 Instandsetzung und Wiederherstellung der Staffeln
  • 1898 Umbau der traufseitigen Fassade Grapengießerstraße
  • 1928 Giebelstaffeln mit Zementmörtel neu aufgemauert, Fassade mit Ölfarbe gestrichen
  • 1951 Renovierung des Giebels zusammen mit dem südlichen Nachbarhaus Am Sande 2
  • 1979 teerhaltiger schwarzer Anstrich der Fassade

Detaillierte Dokumentationen der Vorzustände liegen leider nicht vor. Viele kleine Unregelmäßigkeiten in den Fassaden weisen jedoch auf nachträgliche Veränderungen älterer Substanz hin. So ist z.B. das Hauptportal nur innen als Spitzbogenportal ausgebildet, die Abstufungen nach außen leiten zu einem unsauberen äußeren Rundbogen über (s. Foto). An vielen Stellen ist der Taustein-Formziegel unsauber verarbeitet, so dass der beabsichtigte Eindruck eines regelmäßig gedrehten Taues nicht erreicht wird; zudem sind jüngere Reparatur-Ziegel oft an ihrer glatteren Oberfläche zu erkennen (s. Fotos). In der Stadtansicht um 1598 ist an dieser Stelle sogar ein zum Sande traufständiger Bau dargestellt (s. Kartenausschnitt).

Eigentümer und Bewohner

Als Auftraggeber des Neu- bzw. Umbaus von 1548 ist der Brauer Harmen Kloppenborg anzunehmen, der „… von 1539 bis 1581 bzw. 1585“ als Eigentümer genannt wird; das Anwesen bleibt bis wenigstens 1671 in Familienbesitz, das Gebäude wird bis 1898 als Brauhaus genutzt (alle Angaben nach D´ham 2003, S. 51).

Literatur: Böker 2010, S. 221 f.; Dehio 1992, S. 896; D´ham 2003; Krüger/Reinecke, S. 352 f.; Michael 2004; Tillwick 2006

Quellen

  • Peter Furmanek, Hannover: Dokumentation Lüneburg, Am Sande 1 (IHK-Gebäude). 35 engobierte und glasierte Terrakottamedaillons Giebelfront und Grapengiesserstrasse. Freilegen, Konservieren und Restaurieren. Januar – November 2006 (masch. schr.)
  • Büro für Bauforschung Dr.-Ing Bernd Adam, Garbsen: Bauaufnahme Am Sande 1, Dachgeschoss (Grundriss, Längsschnitt, 2 Querschnitte M 1:50), Juni 2008
  • Preßler GmbH, Gersten: Dendrochronologische Altersbestimmung Lüneburg, Am Sande 1, Dachwerk (Gutachten vom 5. Juni 2008)

letzte Aktualisierung: 19. Juli 2011

Am Sande 52

Am Sande 52
Hausnummer vor 1818: CC 252, vor 1866: C 192

Datierungen

  • Dachwerk: Herbst/Winter 1591 (d) (7 datierbare Proben); Dachbalken im 10. Gebinde von Süden: um/nach 1586 (d)

Kurzbeschreibung

Tief in den Baublock reichendes Grundstück an der Nordseite des Platzes. Hinter dem giebelständigen Vorderhaus ein dreigeschossiger Seitenflügel, der 2009 Gegenstand einer bauhistorischen Untersuchung war (folgende Angaben daher nach Adam 2009, teilweise ergänzt).

Prägend für das heutige Erscheinungsbild sind die beiden in Fachwerk ausgeführten Obergeschosse, das EG sowie die westliche Rückwand jedoch aus Ziegelmauerwerk (teilweise vermutlich noch von einem Vorgängerbau).

Abbundzeichen in römischer Zählung (nach Norden ansteigend) bestätigen den konstruktiven Zusammenhang von Dachwerk, Balkenlagen und Fachwerk der östlichen Traufseite.

Eichenes Fachwerk im gebundenen System mit gleichmäßigen Ständerabständen, durchlaufenden Brüstungsriegelketten, Fußbandreihen und vorkragenden Balkenköpfen auf Knaggen. Zwischenräume zwischen den Balkenköpfen mit schräg sitzenden Bohlen geschlossen. Ausfachungen unter den Brüstungsriegeln mit sehr kleinen Ziegeln (ca. 18-19 cm lang, 5-5,5 cm hoch) in verschiedenen Zierformen, Verfugung in vielen Bereichen noch bauzeitlich mit Fugenritzung und roten Farbresten (Fugennetz?), vermutlich Gipsmörtel.

Im Vergleich zu anderen Lüneburger Fachwerkbauten der 1590er Jahre (z.B. Auf der Altstadt 43, Seitenflügel) sehr reduzierte Dekoration: Saumschwellen mit gefaster unterer Kante, Balkenköpfe und Knaggen profiliert, aber in den Ansichtsflächen glatt (ebenso die Fußbänder).

Beide Fachwerkgeschosse aufgrund vorhandener Falze im Fachwerk ursprünglich mit durchlaufenden Öffnungen zu rekonstruieren (Fenster oder Luken; vgl. Seitenflügel Am Berge 25 von 1620 i).

Die bauzeitlich großzügige Anordnung von Öffnungen in den oberen Fachwerkfeldern beider Geschosse lässt auf eine repräsentative Nutzung als Wohn- bzw. Festraum schließen; das 2. OG war ursprünglich nachweislich ungeteilt (Raumgröße ca. 80 m²). Die Decken über 1. und 2. OG aus breiten Eichenbohlen, knapp 4 cm dick und bis 52 cm breit, im 2. OG mit Resten einer dekorativen Bemalung mit Knorpelwerk (17. Jh.?). Im 1. OG Reste eines Kamins in der Mitte der Nordwand erhalten.

Fachwerk ursprünglich im Inneren sichtbar, Queraussteifung durch gerundete Kopfbänder mit gefasten Kanten. Dachwerk als Kehlbalkendach mit doppelter Kehlbalkenlage, Kehlbalken geblattet mit mittigem Holznagel.

 

Eigentümer und Bewohner

Für das Grundstück ist seit 1521 bis in das 19. Jh. eine Nutzung als Herberge "Schwarzer Adler" belegt. Das Grundstück gelangte 1590 in den Besitz der Familie von Cölln, die somit auch als Auftraggeber für den Neu- bzw. Umbau 1592 anzusprechen ist. In der Nutzung als Herberge liegt auch eine mögliche Erklärung für die zu vermutende Anordnung zweier großer Festräume übereinander (alle Angaben nach Adam 2009).

 

Literatur: Adam 2009; Böker 2010, S. 243

 

Quellen:

  • Preßler GmbH, Gersten: Dendrochronologische Altersbestimmung Lüneburg, Am Sande 52, Gutachten vom 24.2.2009 (masch.schr.)
  • Eigene Besichtigungen im August 2013

letzte Aktualisierung: 15. August 2013

An der Münze 8a/b

An der Münze 8a/b
Hausnummer vor 1818: AA 449, 450; vor 1866: A 342 + 53

Datierungen

  • Terrakottamedaillon in der westlichen Traufseite:1543 i
  • Dachwerk: 10. Deckenbalken v. Süd und 1. Sparren Ost von Süd 1542 H/W d; 3. Deckenbalken von Süd 1544 +/- 6 d; 10. Kehlbalken v. Süd 1450 +/- 5 d; 11. Kehlbalken v. Süd 1448 +/- 2 d; 12. Kehlbalken v. Süd 1446 F/S d

Kurzbeschreibung

Das heute eigenständige Grundstück An der Münze 8a/b wurde erst nach 1875 aus einem großen Eckgrundstück An der Münze/Apothekenstraße herausgelöst (s. Ausschnitt Urkataster). Der traufständige, heute 3-geschossige Bau dürfte somit ursprünglich als Seitenflügel des Eckgebäudes (heute An der Münze 8) anzusprechen sein, das Anfang des 20. Jh. abgebrochen wurde und auf historischen Fotografien als mittelalterliches Dielenhaus mit hochgotischem Giebel nach Westen zu erkennen ist (s. Abb.). Diese Situation ist auch auf der Stadtansicht um 1598 dargestellt (s. Kartenausschnitt).

Der Flügelbau, dessen Errichtung sowohl durch ein Terrakottamedaillon über dem 2. OG als auch durch eine dendrochronologische Untersuchung des Dachwerks sicher für das Jahr 1543 angenommen werden kann, ist von herausragender Bedeutung für die Lüneburger Renaissance-Architektur. Die westliche Traufseite ist (abgesehen von dem später veränderten Erdgeschoss) als symmetrisch gegliederte Schauseite mit reicher Verwendung des Taustein-Formziegels gestaltet: Ausführung vollständig mit schwarz glasierten Ziegeln, die segmentbogigen Fensteröffnungen tausteingerahmt und im 2. OG zusätzlich durch senkrechte Taustäbe getrennt, die oben mit ebenfalls tausteingerahmten Oculi abschließen. Zwischen dem 1. und 2. OG horizontaler Streifen im Fischgrätmuster mit Tausteinrahmung und Kreisblenden, seitlich mit Wappenfeldern abgeschlossen. Zwischen den Fenstern im 1. OG spitzbogig überdeckte Nischen.

In den Oculi der Fensterzwickel über dem 2. OG sowie des geschosstrennenden Fischgrätmusters farbig gestaltete bzw. glasierte Terrakottamedaillons mit Darstellung männlicher Brustbilder in Frontaldarstellung bzw. im Halbprofil (s. Abb.); mittig über dem EG ein weiteres Medaillon mit Darstellung Simsons und des Löwen. Letzte Überarbeitung (Verfugung/Retuschen) offensichtlich 1988 (D´ham 2003, S. 38).

Sehr auffällig an der Fassade die „Fehlstelle“ im 2. OG: abgesägte Balkenköpfe, ein Flachsturz sowie das in diesem Bereich schlichte schmucklose Mauerwerk weisen darauf hin, dass an dieser Stelle ursprünglich ein Erker gesessen haben muss, wie er auch an anderen Flügelbauten des 16. und 17. Jh. nachzuweisen ist (z.B. Am Berge 25 und Auf der Altstadt 43).

Die Hoffassade in Öffnungen und Mauerwerksstrukturen vielfach verändert, jedoch noch mit zahlreichen bauzeitlichen Details (s. Abb.): Ziegelmauerwerk mit Fugenritzung, im 2. OG eine große segmentbogig überwölbte und tausteingerahmte Öffnung (heute zugemauert); direkt daneben ein kleiner, ca. 25 cm auskragender Erker, die Ecken ebenfalls mit Taustein-Formziegeln gemauert (ursprünglich Abtritt/Toilettenerker?). Zugang von innen ebenfalls mit schwarz glasierten Formziegeln; ein kleines Fenster heute von außen vermauert.

Unterkellerung des Gebäudes mit niedrig ansetzendem dreiachsigem Tonnengewölbe, senkrecht zur Straße. EG und 1. OG im 19./20. Jh. verändert, hier ursprünglich eine hohe Diele mit Zwischengeschoss anzunehmen (Gesamthöhe von EG und 1. OG ca. fünf Meter).

Bisher nur das 2. OG bauhistorisch und restauratorisch detailliert untersucht (alle folgenden Angaben nach Blohm & Tillwick GBR 2010). Demnach ist in dieser Ebene ursprünglich ein großer Saal anzunehmen, der sich in der Straßenfront durch den mittig angeordneten Erker und die sechs großen Fensteröffnungen präsentierte. Der Zugang zum Erker von innen ebenfalls mit (unglasierten, aber farbig gefassten) Tausteinziegeln, die Sturzunterseite mit „Winkelmuster in den Farben Schwarz, Rot und Weiß gestaltet, ähnlich der Gestaltung im Sommerremter des Klosters Lüne.“ An den Wandflächen unter jüngeren Fassungen Hinweise auf einen einfarbig hellgrauen Untergrund mit schwarzen bzw. schwarzgrauen Linien. Pfeiler und aus Viertelkreis-Formziegeln gemauerte Bögen mit Fugenstrich, die geschlossenen Flächen unter den Bögen jedoch glatt verputzt.

Die eichenen Holzbalken unterseitig verziert mit Hohlkehle und Wulst, an den Balkenenden unter jüngeren Anstrichen „Reste alter Bemalungen in Form von dunklen Linien und Schwüngen“. An den Unterseiten der Dielen Farbreste in weiß, hellgrau und ocker; Reste einer bemalten Eichenbohle in Zweitverwendung, 45 cm breit und 35 mm stark (heute eingelagert bei der Hansestadt Lüneburg, Bereich Bauaufsicht/Denkmalpflege): „…unter weißen Anstrichen ein gemaltes Medaillon“ mit Darstellung „einer weiblichen Person mit Hemd und Goller (Schulterumhang)…gemalt in den Farben Schwarz, Rot und Weiß.“

Das eichene Dachwerk als Kehlbalkendach von 14 Gebinden mit doppelter Kehlbalkenlage konstruiert, die Kehlbalken mit Schwalbenschwanz und Holznagel an den Sparren befestigt. Abbundzeichen im Osten geschlagen in römischer Zählung, im Westen eingestochene Dreiecke, bis zu acht an einer Linie. Teilweise hohe Aufschieblinge bis zur 1. Kehlbalkenlage. Teilweise Zweitverwendung, durch die dendrochronologische Untersuchung Datierungen in die Zeit um 1450.

 

Eigentümer und Bewohner

Als Auftraggeber für den Neubau von 1543 wird übereinstimmend der Essigbrauer Wilhelm Baventen genannt. Baventen soll 5 Wohn- und 2 Brauhäuser besessen haben und war in erster und zweiter Ehe mit Töchtern der Lüneburger Brauer Hans Lübbing und Asmus Steinlage verheiratet.

 

Literatur: Böker 2010, S. 265 f.; Dehio, S. 898; D´ham 2003, S. 36 ff.; Krüger/Reinecke 1906, S. 369; Terlau-Friemann, S. 211

 

Quellen

  • Preßler GmbH, Gersten: Dendrochronologische Altersbestimmung An der Münze 8, Dachwerk, Gutachten vom 17.7.2010 (masch.schr.)
  • Blohm & Tillwick GBR, Lüneburg: Untersuchungsbericht Gebäude An der Münze 8a/b, Lüneburg. Untersuchung der Wand- und Deckenflächen auf historische Farbfassungen und Gestaltung im 2. Obergeschoss und im Dachgeschoss. Juni 2010 (masch.schr.)

letzte Aktualisierung: 20. Juli 2011

Auf der Altstadt 43

Auf der Altstadt 43
Hausnummer vor 1818: DD 617, 618, vor 1866: D 484, 485 mit 368a+b

Datierungen

  • Dachwerk Nachbarhaus Auf der Altstadt 43a: Sparren im 2., 3. und 5. Gebinde hinter dem Straßengiebel 1562 d
  • Seitenflügel an der Oberen Ohlingerstraße: 1593 i (Saumschwelle 2. OG)
  • Dachwerk Eckhaus auf der Altstadt 43: Kopfband und Sattelholz im stehenden Stuhl 1669 d

Kurzbeschreibung

Großes Eckgrundstück, die Bebauung heute im wesentlichen bestehend aus 2 giebelständigen Vorderhäusern und einem Seitenflügel an der Oberen Ohlingerstraße. Das Grundstück erstreckt sich heute treppenförmig bis hinter die Grundstücke Obere Ohlingerstraße 1 bis 3/Auf der Altstadt 39 bis 42 (vgl. Auszug ALK). Diese Situation ist bereits im Urkataster 1875 ähnlich dargestellt und deutet auf eine frühere Großparzelle hin, die auch archivalisch bis zum Ende des 17. Jh. belegt ist (s.u.).

In dem zur Straße Auf der Altstadt giebelständigen Eckhaus keine Bausubstanz des 16. Jh. nachgewiesen, heutige Strukturen „wohl unter Einbeziehung von Substanz des 15. Jh. 1669d grundlegend umgebaut“ (Böker 2010, S. 305).

Im Nachbarhaus Nr. 43a weist lediglich das Dachwerk von 1562 d noch auf Bautätigkeit im 16. Jh. hin: eichenes Kehlbalkendach mit doppelter Kehlbalkenlage, 8 Gebinde, Kehlbalken-Sparren-Anschluss mit Schwalbenschwanzblatt, Sparren am First mit Schlitz und Zapfen verbunden. Abbundsystem mit römischer Zählung, geschlagene Striche im Nordwesten, eingestochene Dreiecke im Südosten. Das gesamte Gebäude im 18. Jh. hofseitig verlängert, Innenstrukturen und Fassaden im 19. und 20. Jh. mehrfach verändert.

Von großer Bedeutung für die Architektur der Renaissance in Lüneburg der Seitenflügel an der Oberen Ohlingerstraße. Der dreigeschossig (!) ausgebildete Bau ist in den unteren Geschossen aus Ziegelmauerwerk, im 2. OG aus Fachwerk konstruiert. Heutiger Zustand im Rahmen einer umfassenden Instandsetzung und Modernisierung in den 2000er Jahren hergestellt, Vorzustand durch eine historische Fotografie dokumentiert (s. Abb.). Demnach die Öffnungen im Erdgeschoss durch kräftige Holzstürze überdeckt, an der Südseite Tordurchfahrt, im Sturz duch Schiffskehlenornament betont. Befensterung des 16. Jh. nicht mehr zu rekonstruieren. Das 1. OG durch Taustein-gerahmte Felder mit Ausmauerung im Fischgrätmuster vom EG abgesetzt, unterbrochen durch eine Öffnung für einen Erker (ursprünglicher Zustand nicht überliefert, heute frei rekonstruiert). Vermauerter Durchgang zum Erker mit Holzsturz, die anderen Öffnungen mit Segmentbogensturz und Laibung aus Viertelkreis-Formziegeln (nach historischer Fotografie zwei seitliche Öffnungen gesichert, im heutigen Zustand eine weitere rekonstruiert).

Das 2. OG zu beiden Traufseiten auskragend, Knaggen rekonstruierend ergänzt. Fachwerk im gebundenen System abgezimmert: 11 Gebinde, einfach verriegelt, mit Fußwinkelhölzern ausgesteift. Das Dachwerk als Kehlbalkendach mit doppelter, gezapfter Kehlbalkenlage konstruiert, römische Zählung (geschlagen bzw. gestochene Dreiecke). Schnitzereien an Saumschwelle (Ranken), Fußwinkelhölzern (Rosetten mit Perlstäben, Pfeilbändern und Ähren), Balkenköpfen (Kehlen, Wülste) und Füllhölzern (Schiffskehlen). Farbfassung „nicht nach Befund“ (Böker 2010, S. 309). Ziegelausfachungen mit treppenförmig gemauerten Ziermustern, vier Luken mit Rundbogenstürzen aus Taustein-Formziegeln. Ursprünglich wohl als Speicher genutzt.

Im 1. OG ursprünglich ein Saal, etwa 11,30 m lang, 5 m breit und 3 m hoch mit Wand- und Deckenmalerei, in den 2000er Jahren untersucht und konserviert (Furmanek 2006 und 2008, Flamann 2007). Deckenmalerei an der Unterseite von 9 m langen und 75 cm breiten Eichenbohlen, zwei Fassungen, in sieben von 10 Feldern gut erhalten; drei Felder nur noch mit fragmentarischen Resten der Erstfassung, hier „die Zweitfassung extrem stark verrußt“. Die erste Fassung zeigt „…auf blauem Grund Akanthusranken in Grisailletechnik, in die Figurenmedaillons, Putten und Kandelaber hineingesetzt wurden. Die zweite Fassung zeigt weißes Schweifwerk vor blauem Hintergrund, aus dem sich Ranken und Fruchtbündel entwickeln, dazwischen Putti, Vögel und Girlanden. Mittige Schweifwerkmedaillons mit namentlich bezeichneten Tugendallegorien. Die Balken tragen stilisierte, blau gefasste Tulpenblütenbänder auf weißem Grund. Schwarze und blaue Schatten schaffen Plastizität…“ (Böker 2010, S. 309). Die Deckenbalken auf jeder Seite mit einem geschnitzten Eierstabband und Schiffskehle. An den Wänden ebenfalls Fassungsreste (Maureskenornament, vegetabiler Dekor, monochrom schwarze Bemalung) sowie Reste einer Nische (ehem. Kachelofen?).

 

Eigentümer und Bewohner

Für das Grundstück liegt eine Aufstellung zu Eigentümern und Bewohnern vom 15. bis 17. Jh. vor, die von Ulrich Brohm 2006 erarbeitet wurde (s. pdf-Datei). Demnach war der Brauer Meinecke Schröder Auftraggeber für die Bautätigkeit in Nr. 43 a, der das Grundstück mit neun Buden 1559 erwarb und 1571 starb. Auftraggeber für den Seitenflügel war sein Sohn Albert Schröder d.Ä., ebenfalls Brauer, der 1603 starb. Noch 1684 gehörten zu dem Eckhaus zwei Nebenhäuser und sechs Buden.

 

Literatur: Böker 2010, S. 304 ff.; Dehio 1992, S. 899; Flamann 2007; Furmanek 2008; Krüger/Reinecke 1906, S. 331, 340, 380; Malaschewski/Schulz 2001

Quellen

  • Joachim Gomolka (Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover): Lüneburg, Auf der Altstadt 43, Dendrochronologische Untersuchung (Vermerk vom 1. März 2001)
  • Peter Furmanek, Hannover: Lüneburg, Auf der Altstadt 43, Flügelbau, 1. OG: Die Restaurierung der Deckenmalereien in einem ehemaligen Patrizierhaus von 1593. April bis September 2006 (masch.schr.)

letzte Aktualisierung: 27. Juli 2011

Baumstraße 3

Baumstraße 3
Hausnummer vor 1818: BB 39, vor 1866: B 36a; bis 1894 Hinter der Bardowicker Mauer 17

Datierungen

  • Inschrift in der Traufschwelle 1538 i
  • Dendrochronologie: 1538 d (nach Pomp 2000, S. 34)

 

Kurzbeschreibung

Traufständiges Fachwerkhaus am nördlichen Rande der Altstadt, das zu den ältesten sicher datierten Fachwerkhäusern Lüneburgs gehört und aufgrund der ungewöhnlichen und qualitativ hochwertigen Schnitzereien von besonderer baugeschichtlicher Bedeutung ist. Das Gebäude verdankt sein heutiges Erscheinungsbild umfassenden Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten der 1990er und 2000er Jahre. Über die in dieser Zeit beobachteten Befunde liegen zahlreiche Publikationen vor, auf die sich die folgenden Ausführungen stützen.

Zur Baumstraße hin zeigt sich ein Stockwerksbau von sechs Gebinden/fünf Fach mit hohem Unter- und niedrigem Oberstock, der über Balkenköpfe und Figurenknaggen auskragt. Das heute wieder vollständig sichtbare Fachwerk war zuletzt in Teilbereichen überputzt (s. historisches Foto). Die in Geschossbauweise ausgebildete Hoffassade mit traufhohen Ständern, eingezapften Deckenbalken und einer erhaltenen aufgeblatteten Langstrebe belegt jedoch eine Mischbauweise, wie sie auch aus anderen Städten für Fachwerkbauten des 16. Jh. belegt ist. In den beiden Traufseiten und im straßenseitigen Bereich des Ostgiebels noch Zierausfachungen in Fischgrät- und Treppenmustern erhalten. Im OG der Straßenfront über der schlichten Fußbandreihe Reste eines aufgeblatteten Brüstungsriegels mit tiefen Kehlungen; erhaltene Falze und Beschlagspuren weisen auf Luken mit darüber liegender fest stehender Bleiverglasung hin. In der östlichen Giebelseite im OG noch aufgeblattete Riegel.

Die Dekorationen der Fassade konzentrieren sich auf die Vorkragung zwischen den beiden Stockwerken und die Traufe; im Erdgeschoss wird lediglich der Eingang durch einen Vorhangbogensturz betont (s. Foto). Die Saumschwelle mit Segment- und Rundbögen, Taubändern sowie Blatt- und Tierornamenten verziert (s. Fotos). Ungewöhnlich die zwischen Ständerfüßen und Balkenköpfen in Rahmen sitzenden Brustbilder, die jeweils drei einander zugewandte Köpfe zeigen (Narr, Männer und Frauen). Die Traufschwelle mit der teilweise unleserlichen Inschrift „ANNO dm m v xxviii M dfm (Fehlstelle) vges va vnde dit hvs bvwen laten“ und Hausmarken (nach Henschke 1995).

Besonders aufwändig die die Balkenköpfe stützenden Figurenknaggen (s. Fotos), von denen unter der Traufschwelle die dritte von rechts und unter der Saumschwelle die zweite und fünfte von rechts später ausgetauscht wurden (an Stellung und Blickrichtung zu erkennen). Alle zum ursprünglichen Bestand zählenden Figuren bilden bzw. bildeten einander zugewandte Paare aus Männern und Frauen (oben, von links nach rechts: Jäger mit geschultertem Tier und Frau, Mönch mit Dudelsack, Mönch und Nonne; unten, von links nach rechts: Jäger mit Stock und Tier; Steinmetz mit Werkzeug und Frau mit Spinnrocken; Frau mit Tier). Zur Vorbereitung der Restaurierung wurden zahlreiche Proben entnommen und untersucht, alte Anstriche wurden abgenommen und anschließend die polychrome Erstfassung nach Befund wiederhergestellt; zwei nachträglich eingefügte Knaggen wurden lediglich im Farbton des Voranstrichs gefasst (Furmanek 1999/2001).

Ursprüngliche Raumstrukturen im Inneren teilweise wieder hergestellt: im westlichen, straßenseitigen Bereich die hohe Diele, im östlichen Bereich durch eine Fachwerkwand abgetrennt „Dönz, schwarze Küche und Achterstube“ (Pomp 2003, S. 30), darüber Zwischenboden. Zugang zur Dönz ebenfalls mit Vorhangbogensturz; ursprüngliches Türblatt möglicherweise in Zweitverwendung im Haus erhalten: Zweifüllungstür mit Darstellung einer Frau und eines Mannes unter einem Bogen in der oberen und Beschlagwerk in der unteren Füllung, auf dem oberen Rahmenstück die Inschrift „Der Herr behüte deinen Eingang und Ausgang von nun an biß in Ewigkeit“ (Furmanek 2002). Küche mit Resten der Herdstelle und des Rauchfangs, von hier aus die beiden Stuben über Hinterladeöfen beheizbar. Unterkellerung als zweischiffiges Tonnengewölbe, quer zum First; Zugang über eine Luke in der Straßenfassade, Spuren einer Feuerstelle (Wohnkeller?).

Das Dachwerk vermutlich unter Wiederverwendung der alten Sparren (mit Blattsassen) in flacherer Neigung neu abgebunden.

 

Eigentümer und Bewohner

„Bauherr war der Protestant Dionys von Minden, der möglicherweise wegen der Nachbarschaft zum Scharnebecker Hof für sein Haus ein antiklerikale Anspielungen aufnehmendes Schnitzprogramm anfertigen ließ“ (Böker 2010, S. 321 nach Pomp 2000, S. 35). Weitere Erkennntnisse sind bisher nicht publiziert.

 

Literatur: Böker 2010, S. 321 f.; Dehio 1992, S. 899; Furmanek 2002; Henschke 1995; Krüger/Reinecke 1906, S. 379, 388 f.; Pomp 2000, 2002, 2003; Terlau-Friemann 1994, S. 154; Vollborn 2007, S. 101 ff.

 

Quellen

    • Peter Furmanek (Hannover): Dokumentation Lüneburg, Baumstr. 3. Farbuntersuchung an der Fachwerkfassade 1999 und 2001 (masch. schr.)

 

letzte Aktualisierung: 28. Juli 2011

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Hinter der Badowicker Mauer 5

Hinter der Badowicker Mauer 5
Hausnummer vor 1818: AA 525, vor 1866: A 410

Datierungen

  • Türsturz über dem seitlichen Zugang zu einem Gang unter den Wallanlagen: 1544 i
  • Fachwerkgerüst: 9 datierbare Proben, Eiche, davon 1 Probe Winter 1538/39 d, 1 Probe Winter 1541/42 d, 2 Proben Winter 1542/43 d

Kurzbeschreibung

Das sogenannte „Fahrtknechthaus“ (s.u.) wurde zwar 1949 im Gutachten von Matthai und Pinnekamp über Altstadtsanierung (s. Foto) „zum Abbruch empfohlen“ (u.a. „Feuchte Wände“, „Rattenplage“), blieb aber dennoch bis heute erhalten. Es war im Jahr 2000 Gegenstand einer Diplomarbeit an der Hochschule Wismar, die neben einer detaillierten Bestandserfassung (s. Zeichnungen) auch Instandsetzungs- und Modernisierungsvorschläge beinhaltete (alle folgenden Angaben nach Böttge/Kampe/Riemann 2001 und Braun 2004, S. 84 ff.).

Das direkt an die Stadtmauer angelehnte kleine einstöckige Fachwerkhaus mit Pultdach und seitlichem, heute massivem Anbau wurde im gebundenen System aus Eichenholz errichtet und besteht aus acht Gebinden. Das Fachwerkgerüst ist durch ein breites flaches Außenwandrähm, aufgeblattete Kopfbänder zur Queraussteifung und Abbundzeichen in römischer Zählweise geprägt; es bleibt völlig schmucklos.

Das etwa 3,50 m hohe, im westlichen Teil unterkellerte Erdgeschoß nahm zuletzt mehrere kleine Räume auf, deren Decken abgesenkt waren, so daß sich ein Zwischenboden unter dem Dachgeschoß ergab. Die ursprüngliche Raumstruktur (Diele/Stube) konnte nicht nachgewiesen werden. Spätere Eingriffe betreffen insbesondere die Erneuerung des Dachwerkes, einige Reparaturen an der Holzkonstruktion und vermutlich an den Ausfachungen sowie Veränderungen der Befensterung und des wandfesten Ausbaus im Inneren.

An der Seite zwischen den beiden westlichen Gebinden befindet sich ein Zugang zu einem über 30 Meter langen, gewölbten Gang unter dem Wall, der in der Fassade durch einen Sturzriegel mit Vorhangbogen an der Unterseite und der Inschrift „ANNO DM 1544“ betont wird (s. Foto). Das Bogenornament setzt sich auf den seitlichen Ständern fort. In den Zwickeln des Sturzes sind noch heute schwach zwei Wappen (Stadt und Land) zu erkennen, mittig die Stadtmarke (nach Krüger/Reinecke 1906, S. 386). Der etwa 32,50 m lange, 1,10 m breite und 1,90 m hohe Gang war vom 16. und 18. Jh. Bestandteil des Solefördersystems von einer Solequelle außerhalb der Stadtbefestigung zur Saline und ist bis heute städtisches Eigentum (s. Auszüge ALK und Urkataster). Eine dendrochronologische Untersuchung bestätigte, dass diese Datierung dem gesamten Fachwerkbau zugeordnet werden kann. Die Streuung der Datierungen auf einen Zeitraum von mindestens vier Jahren deutet auf die Verwendung gelagerten Holzes (Holzhandel) hin.

Eigentümer und Bewohner

Informationen zu den Eigentümern und Bewohnern des Gebäudes wurden von Ulrich Brohm 2007 zusammengestellt (s. pdf-Datei): „Das Haus Hinter der Bardowicker Mauer 5 befand sich bis in das 19. Jahrhundert hinein im Eigentum der Lüneburger Saline. Zusammen mit zwei weiteren Häusern an der Bardowicker Mauer diente es als Wohnung der bei der Saline beschäftigten Fahrtknechte bzw. deren Witwen. Die Wohnungen in den beiden Fahrtknechthäusern sowie dem Fahrtknechtwitwenhaus wurden mietfrei von der Saline zur Verfügung gestellt.

Im 16. und 17. Jahrhundert arbeiteten auf der Saline zwei bis drei Zimmergesellen als Fahrtknechte. Unter der Leitung des Fahrtmeisters hielten sie die Bergwerksstollen (Fahrten) instand, die vom Solebrunnen (Sod) zu den insgesamt sechs Solequellen hinführten, waren als Gräber, Bauarbeiter und Zimmerleute tätig und wurden zur Bedienung von Pumpen und zur Reinigung der Solequellen eingesetzt.

Für die Zeit bis 1646 und von 1657 bis 1663 werden die in der Saline beschäftigten Fahrtknechte namentlich in den Abrechungen über die Einnahmen und Ausgaben der Saline (Sodmeisterrechnungen) genannt. Ein Teil von ihnen ist in den Schosslisten des Marktviertels, zu dem die Straße Hinter der Bardowicker Mauer gehörte, in der Rubrik „in Turibus“ zusammen mit den in den Türmen der Stadtmauer wohnenden Ratsbediensteten aufgeführt. Eine Zuordnung dieser Personen zu den einzelnen Fahrtknechthäusern ist jedoch nicht möglich“.

Literatur: Böker 2010, S. 446; Böttge/Kampe/Riemann 2001; Braun 2004, S. 84 ff.; Krüger/Reinecke 1906, S. 384 ff. (dort unter Hinter der Bardowicker Mauer 7); Vollborn 2007, S. 110 ff.

Quellen

  • Universität Hamburg, Ordinariat für Holzbiologie, Dipl.-Holzwirt Sigrid Wrobel: Dendrochronologische Untersuchung von Hölzern aus Lüneburg, Hinter der Bardowicker Mauer 5 (Gutachten vom 21. März 2001)

letzte Aktualisierung: 30. Juli 2011

Koltmannstraße 3

Koltmannstraße 3
Hausnummer vor 1818: BB 61, vor 1866: B 50

Datierungen

  • 1587 d (nach Böker 2010, S. 483)

Kurzbeschreibung

Kleines traufständiges Vorderhaus aus Ziegelmauerwerk mit Fachwerk-Seitenflügel, dessen Baugeschichte im Rahmen umfangreicher Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen in den 2000er Jahren umfassend geklärt werden konnte und publiziert wurde (alle folgenden Angaben nach Henschke 2005).

Nach den Ergebnissen der dendrochronologischen Untersuchung wurde das Gebäude 1588 direkt ohne eigene Trennwand an das südlich angrenzende Nachbarhaus Koltmannstr. 2 angebaut. Der vermutlich noch zur Vorgängerbebauung gehörende kreuzgratgewölbte Keller (s. Grundriss) zeigt in seiner Südwand durch zwei tiefe Nischen noch eine Verbindung zu diesem Haus, die erst später geschlossen wurde. Ursprünglicher Kellerzugang unklar, vermutlich von der Straße; Reste einer Feuerstelle (Wohnkeller/gewerbliche Nutzung?).

Die im Gebäude durchgeführten Untersuchungen belegten den ursprünglichen Zustand eines Dielenhauses mit Zwischen- und Obergeschoss. Die hohe Diele wurde vermutlich um 1800 aufgegeben, das zunächst ungeteilte, wohl als Lageraum genutzte Obergeschoss ab dem 18. Jh. durch den Einbau von Stuben und Kammern geteilt. Die hohe Diele im südlichen Teil des Hauses, im nördlichen Teil eine straßenseitige Stube mit dahinter gelegener Herdstelle (s. Grundriss EG). Über der Stube das Zwischengeschoss mit einer Kammer, Erschließung vermutlich über eine Galerie (s. Grundriss Zwischengeschoss). Die Trennwand zur Diele als Fachwerkwand in Stockwerksbauweise mit Vorkragung über Knaggen ausgeführt, der Oberstock mit Schnitzereien im Bereich der Vorkragung (Rosetten, Schiffskehlen mit Talerband und Perlstab, s. Abb.). Im Zwischengeschoss auf der Trennwand zum Nachbarhaus Freilegung einer Malerei: schwarze Fachwerkgliederung mit Begleitstreifen und ausgekreuzten Ecken (s. Abb.). Eine weitere Malerei mit floralen Motiven in schwarz auf hellem Grund im OG, ebenfalls auf der nördlichen Giebelwand freigelegt; heute nur ein Ausschnitt sichtbar (s. Abb.).

Das Dachwerk in flacherer Neigung vermutlich unter Wiederverwendung der Sparren (römisches Zählsystem) neu abgebunden. Auflagerpunkte einer Winde passen zu einem ehemals vorhandenen Kranhaus, das fotografisch belegt ist (Henschke 2005, Abb. 1b) und rekonstruiert wurde.

Die Straßenfassade zeigt überwiegend jüngere Zustände (Utlucht, Befensterung). Ungewöhnlich neben dem traditionell wirkenden, aus Viertelkreis- und Fasenziegeln dreifach gestuften Spitzbogenportal die (nach Befund rekonstruierte) seitliche Fenstereinfassung aus Sandstein über der Utlucht, die in dieser Form bisher in Lüneburg nicht bekannt war. Die Luke im OG mit zweifach gestufter Laibung und Segmentbogensturz. Die Hoffassade ziegelsichtig mit vielen Veränderungen (s. Abb.), die eine Rekonstruktion des Zustandes im 16. Jh. nicht mehr zulassen.

Der zweigeschossige Seitenflügel im EG völlig verändert, das vorkragende Fachwerk im OG jedoch erhalten bzw. nach Befunden rekonstruiert (s. Abb.): fünf Gebinde, zwischen den Ständern schlichte Kopfbandreihe, Saumschwelle einfach gefast. Deckenbalken im inneren ebenfalls mit gefasten Kanten, Kopfbänder mit gekehlter und gefaster Unterseite (s. Abb.). Fensterpfosten mit beidseitiger kräftiger Fase, nach Befund wieder hergestellt (s. Abb.).

Eigentümer und Bewohner

„…von dem Hausbäcker Jochim Vicke errichtete Bude…, die bis in die 2. Hälfte des 17. Jh. von Bäckern belegt war“ (Böker 2010, S. 483).

Literatur: Böker 2010, S. 483 f.; Henschke 2005

Quellen

  • Peter Furmanek (Hannover): Dokumentation Wohnhaus Koltmannstr. 3, Lüneburg. Restauratorische Befunderhebung, 2001
  • Peter Furmanek (Hannover): Dokumentation Wohnhaus Koltmannstr. 3, Lüneburg. Untersuchung der Fassade auf historische Polychromie, 2002
  • Peter Furmanek (Hannover): Dokumentation Wohnhaus Koltmannstr. 3, Lüneburg. Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei, 2002

letzte Aktualisierung: 31. Juli 2011

Lüner Straße 3

Lüner Straße 3
Hausnummer vor 1818: BB 64, vor 1866: B 55

Datierungen

  • Saumschwelle Seitenflügel: 1546 i
  • Eine gesicherte Datierung zum Vorderhaus liegt bisher nicht vor; ein Zusammenhang mit der Datierung des Seitenflügels ist möglich, aber nicht nachgewiesen.

Kurzbeschreibung

Kleines, stark überbautes Grundstück direkt gegenüber der Nikolaikirche, das möglicherweise aus der Teilung einer Großparzelle an der Ecke Koltmannstraße/Lüner Straße hervorgegangen ist (Grundstücke Koltmannstr. 6 und 7, Lüner Str. 2 und 3). In der Stadtansicht um 1598 ist dieser Bereich teilweise durch die Nikolaikirche verdeckt, vor den Rückgiebeln der Häuser an der heutigen Rosenstraße ist eine große Hoffläche zu erkennen. Die heutige Bebauung besteht aus einem viergeschossigen Vorderhaus mit ungewöhnlichen Proportionen: lediglich ca. 8,60 m Tiefe bei ca. 8,80 m Breite und knapp 10 m Traufhöhe (!). An der östlichen Grundstücksgrenze ein Fachwerk-Seitenflügel anschließend, ebenfalls viergeschossig; die östliche Traufseite über die benachbarte Tordurchfahrt zugänglich.

Das Vorderhaus ist aufgrund der Gestaltung des gestuften Straßengiebels zu den wichtigsten Bauten der Renaissance in Lüneburg zu rechnen. Über den beiden im 19. und 20. Jh. vollständig veränderten unteren Geschossen Gliederung durch vielfältigen Einsatz des glasierten Taustein-Formziegels: als Rahmung der geschosstrennenden Putzstreifen, als Einfassung der gestuften Fensterlaibungen mit Segmentbogenstürzen (im 2. OG nachträglich verändert), als senkrechte Taustäbe und als Rahmung der Kreisblenden, in denen ursprünglich Terrakotta-Medaillons angebracht waren, die heute ausgebaut sind (derzeit eingelagert beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, Fachdienst Restaurierung). Im Bereich des Giebelabschlusses Zwillingsblenden mit Kleeblattstürzen. Gesamte Substanz in schlechtem Zustand, mehrfach umfangreiche Instandsetzungsarbeiten (u.a. 1963). Auffällig an den unteren drei Geschossen sind zahlreiche Unregelmäßigkeiten, die von der Symmetrie des oberen Bereichs abweichen.

Die Terrakotta-Medaillons zeigen unterschiedliche Motive: neben Brustbildern unterschiedlicher Art auch (in der unteren Reihe) Darstellungen aus der Simsonlegende; die drei noch heute an der Fassade erhaltenen „Medaillons“ gehören nicht zum ursprünglichen Bestand, bei ihnen handelt es sich um „Mörtelantragungen“ (alle Angaben nach D´ham 2003, S. 23 ff.).

Im Inneren trotz vieler jüngerer Veränderungen der letzten Jahrhunderte (Treppenanlage, Innentüren) noch umfangreiche Bausubstanz des 16. Jh. zu vermuten (profilierte Deckenbalken teilweise sichtbar). Keine eindeutigen Hinweise auf eine frühere hohe Diele im Erdgeschoss und 1. OG. In der Literatur Hinweis auf eine Wandvertäfelung des späten 16. Jh. im EG: Rahmen mit flach ausgesägten Ornamenten, „Abschluss unter der Decke … durch Architrav, Fries und Gesims mit Eierstab“ (Krüger/Reinecke 1906, S. 352).

Der Keller als zweiachsiges Tonnengewölbe, senkrecht zur Straße, Mittelwand mit Segmentbögen gegliedert. Das Dach als Kehlbalkendach von sieben Gebinden mit doppelter Kehlbalkenlage, Kehlbalken mit Schwalbenschwanzblättern an den Sparren befestigt. In der Mitte eichenes Transportrad mit vier Speichen erhalten, die östliche Traufe noch mit hölzerner Rinne bis zum Straßengiebel. Rückgiebel im Dachbereich Fachwerk.

Der vierstöckige Seitenflügel an der östlichen Grundstücksgrenze ca. 5 m breit und 9,50 m lang. Zahlreiche Unregelmäßigkeiten und spätere Veränderungen lassen ohne eingehende Untersuchung nur Vermutungen zur Baugeschichte zu. Besonders auffällig der nach oben hin abnehmende Aufwand an Dekoration (spätere Aufstockung?) und die z.T. konisch verlaufenden Vorkragungen. Die westliche Außenwand überwiegend massiv, teilweise durch Bewuchs verdeckt. Südgiebel und östliche Traufwand überwiegend Fachwerk, in Teilbereichen verändert bzw. durch Ziegelmauerwerk ersetzt.

Das EG vollständig massiv, im 1. OG nur vier Gebinde in Fachwerk ausgeführt. Die Vorkragung hier über einfach profilierte Balkenköpfe und gekehlte Knaggen mit aufgelegten Stäben sowie mit einer reich verzierten Saumschwelle (s. Abb.): Rosetten zwischen Taubändern, links ein Schild mit der Zahl 1546, rechts ein Schild mit Wappen (?). Über der Fußbandreihe noch Sassen eines aufgeblatteten Brüstungsriegels erkennbar. Am nördlichen Ständer fehlen die für die Fortsetzung notwendigen Zapfenlöcher, somit ursprüngliche Abmessungen?

Relativ klare Struktur in den beiden oberen Stockwerken und im Dach: sieben Gebinde im gebundenen System, Längsaussteifung durch Fußbandreihen (teilweise durch vergrößerte Fensteröffnungen entfernt). Über dem 1. OG ähnlicher Schmuck an Knaggen und Balkenköpfen, die Saumschwelle aber nur mit einfachen Schiffskehlen versehen, die Riegel eingezapft (s. Abb.). Vorkragung nach Norden stark abnehmend. Über dem 2. OG nur geringe, schmucklose Vorkragung ohne Knaggen. Zahlreiche Zierausfachungen in Fischgrät- und Treppenmuster, einige Ausfachungen über den Fußbändern mit hochkant gestellten Ziegeln. Vom Dachwerk nur vier Gebinde sichtbar: Kehlbalkendach mit einer geblatteten Kehlbalkenlage, Abbundzeichen in römischer Zählung (geschlagen bzw. gestochene Dreiecke).

Auch im Inneren noch zahlreiche Hinweise auf ältere Substanz des 16./17. Jh. (Nische mit Taustein-Rahmung, Fachwerk mit Resten von Schiffskehlen und Vorhangbogen, Stuckdecke zwischen profilierten Deckenbalken).

 

Eigentümer und Bewohner

In der zweiten Hälfte des 16. Jh. soll der „Snitker bei der St. Nikolaikirche“ Martin Garve Eigentümer der Häuser Lüner Str. 2 und 3 gewesen sein, der u.a. 1562 Bautischlerarbeiten für die St. Johanniskirche ausführte (alle Angaben nach D´ham 2003, S. 27). Der Auftraggeber für die Baumaßnahmen des 16. Jh. an Vorderhaus und Seitenflügel ist somit nicht sicher nachzuweisen.

Literatur: Böker 2010, S. 491 f.; Dehio 1992, S. 902; D´ham 2003; Krüger/Reinecke 1906, S. 352 u. 411; Terlau 1988, Abb. 15

Quellen

  • Eigene Besichtigungen im Oktober 2006 und Juli 2011

letzte Aktualisierung: 3. August 2011

Lünertorstraße 3

Lünertorstraße 3
Hausnummer vor 1818: BB 240, 241, vor 1866: B 172

Datierungen

  • 1589 i: Wandmalerei im Erdgeschoss

Kurzbeschreibung

Im Rahmen der Umnutzung des Gebäudes zum Hotel kamen hinter der viergeschossig ausgebildeten Putzfassade des Hauses aus dem 19. Jahrhundert ältere Baustrukturen des späten 16. Jahrhunderts zum Vorschein. Das Haus stellt somit ein gutes Beispiel für die komplexe Baugeschichte vieler Häuser in der Lüneburger Altstadt dar, auch wenn sie von außen unscheinbar wirken. Die aufgedeckten Befunde wurden durch die Restauratoren Inga Blohm und Markus Tillwick (Lüneburg; www.tillwick.net) dokumentiert und publiziert (die folgenden Angaben daher nach Tillwick 2010).

Im Zuge der Bauuntersuchung konnten im Erdgeschoss die Raumstruktur eines Dielenhauses des 16. Jh. mit unterkellerter straßenseitiger Stube an der Ostseite, dahinter gelegener Küche mit Rauchfang und hofseitig anschließender Kammer nachgewiesen und dendrochronologisch auf 1579 (d) datiert werden.

Von besonderer Bedeutung die erhaltenen Malereireste des späten 16. Jh.: in der östlichen Stube die Fachwerkwand zum Flur/ehemals zur Diele mit schwarz gestrichen Hölzern und weiß gestrichenen geputzten Ausfachungen, die mit „stilisierten Eckblumen, Begleitstrichen und Schriftfeldern in deutscher Sprache“ verziert wurden. Die anderen gemauerten Wände mit aufgemaltem Fachwerk in gleicher Gestaltung.

Auf der Rückseite der Fachwerkwand (ehemalige Diele) „Gestaltungsreste des frühen 17. Jh. (Zweitfassung): Ein schwarzer Begleitstrich auf weißockrigem Grund mit einer schlichten schwarzen Eckblume in dreiblättriger Kleeblattform“.

An der westlichen Trennwand zum Nachbarhaus ebenfalls Reste einer Fachwerkimitiation wie in der östlichen Stube erhalten; „zwischen zwei Deckenbalken fand sich eine vollständig erhaltene Putzfläche mit einer Datierung von 1589 und bauzeitlicher Bemalung in Form von tulpenähnlichen Eckblumen in schwarzer Rahmung.“ Auch hier Zweitfassung mit Eckblumen wie an der Trennwand zur östlichen Stube nachgewiesen.

Eigentümer und Bewohner

Ab 1564 ist der Brauer Jürgen Barteldes als Eigentümer nachgewiesen, der somit auch als Auftraggeber für die Bautätigkeit zwischen 1579 und 1589 angenommen werden darf (Angaben nach Tillwick 2010).

Literatur: Böker 2010, S. 497; Tillwick 2010

letzte Aktualisierung: 16. August 2013

Lünertorstraße 4

Lünertorstraße 4
Hausnummer vor 1818: BB 242, 243, vor 1866: B 173

Bisher keine gesicherten Datierungen!

Kurzbeschreibung

Eckgrundstück am östlichen Stadtrand in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Lüner Tores. Situation mit der Stadtmauer in einem Aquarell von Friedrich Soltau aus dem Jahre 1847 dokumentiert (s. Abb. links). Das Grundstück reicht an der Rückseite bis hinter das Nachbarhaus Nr. 3; möglicherweise Folge eines vorübergehenden gemeinsamen Besitzes der Grundstücke Nr. 3 und 4 ab 1599 (D´ham 2003, S. 32).

Bebauung mit einem zur Lünertorstraße giebelständigen, zweigeschossigen Dielenhaus mit Zwischengeschoss von etwa 8,80 x 16 m Grundfläche; nach Süden jüngere Anbauten. 1949 im „Gutachten von Matthai und Pinnekamp über Altstadtsanierung“ angesichts „erheblicher Ausbuchtung und Senkung“ „zum Abbruch empfohlen“, jedoch mit handschriftlichem Vermerk „Wertvolles Baudenkmal Abbruch ist undiskutabel“ versehen! Das gesamte Gebäude bis heute mit hohem baugeschichtlichen Wert, allerdings noch ohne gründliche baugeschichtliche und restauratorische Untersuchung. Bereits 1949 dokumentierte Gerhard Eitzen das Haus in Grundrissen, Ansicht und Schnitten und versuchte eine Rekonstruktion (s. Abb. links; vgl. Henschke 1997).

Der Schaugiebel zur Lünertorstraße mit zwei wohl im 18. Jh. vorgesetzten zweigeschossigen Utluchten. Die wohl auch in die Mitte des 16. Jh. zu datierende, in diesem Fall sehr symmetrisch angelegte Fassadengestaltung geprägt durch Elemente, die in dieser Kombination in Lüneburg häufiger (z.B. an den Fassaden von Am Sande 1, An der Münze 8 und Lünerstraße 3) auftreten: Auflösung der Fassadenfläche in mehfach gestuften Öffnungen und vortretenden Dekorationen (s. Abb.); Verwendung von Taustein-Formziegeln als Rahmung der geschosstrennenden Putzstreifen, als Einfassung der gestuften Fenster- und Lukenlaibungen mit Segmentbogenstürzen, als senkrechte Lisenen und als Rahmung der Kreisblenden, in denen ursprünglich Terrakotta-Medaillons angebracht waren (s.u.). Im Bereich des Giebelabschlusses Zwillingsblenden mit Kleeblattstürzen. In allen (ehemaligen Speicher-)Ebenen über dem EG die Öffnungen noch heute mit Holzluken geschlossen, die Mittelachse als vertikale Transportachse ebenfalls deutlich zu erkennen.

Die heutige, überwiegend schwarze Farbgebung teilweise noch auf glasierte Ziegel zurückgehend, im Rahmen von Instandsetzungen des 20. Jh. auch mit schwarzer Farbe „nachgearbeitet“. Im Bereich des EGs jedoch auf einer historischen Aufnahme des Portals (s. Abb. rechts) noch Wechsel von glasierten und unglasierten Schichten zu erkennen; dies vielleicht ein Hinweis auf ältere Bausubstanz, zumal das Portal noch als „gotisches“ Spitzbogenportal, allerdings ebenfalls mit Rahmung aus Taustein-Formziegeln ausgebildet ist. Diese Gestaltung heute nur noch an der nordöstlichen Gebäudeecke vorhanden; an der nachträglichen Absteifung der Gebäudeecke wurde dies erst nachträglich im Rahmen von Instandsetzungsarbeiten „vereinheitlichend“ hergestellt, wie ein Vergleich mit historischen Fotos zeigt (vgl. die Abb. von 1949 und 2011).

In den Kreisblenden der Giebelseite ursprünglich 13 Terrakotta-Medaillons mit Brustbildern von Männern und Frauen, die 1971/72 durch Nachbildungen ersetzt wurden (s. Abb.). Von den Original-Medaillons waren bereits 1957 nur noch neun erhalten, von denen heute wiederum nur noch sieben im ehemaligen Museum für das Fürstentum Lüneburg liegen (alle Angaben nach D´ham 2003, S. 28 ff.).

Die östliche Traufseite nach 1945 umfassend instandgesetzt. Ältere große Öffnungen für Dielenfenster mit kräftigen Holzstürzen im EG und eine Segmentbogengliederung im OG bereits 1949 von Gerhard Eitzen dokumentiert (s. Abb. links).

Die an der Giebelfront ablesbare Struktur eines Dielenhauses mit hohem EG, darüber gelegenem niedrigen Speichergeschoss und weiteren Speicherebenen auf der Dachbalkenlage und den beiden unteren Kehlbalkenebenen auch innen (trotz mehrfacher, umfassender Modernisierungsmaßnahmen nach 1945) noch heute klar nachvollziehbar. Hohe Diele im östlichen Teil des EGs durch eine leicht nach Westen verschobene Fachwerkwand mit zwei kräftigen Hauptständern vom zweigeschossigen Westteil abgeteilt. Der südliche Hauptständer mit geschnitztem Ornament und gefasten Kanten (s. Abb.), beide Hauptständer mit langen Kopfbändern zum Unterzug. Die Zwischenständer mit Schwalbenschwanzblättern am Unterzug befestigt und auf lange Riegel aufgestellt. Raumstrukturen im Westteil heute modern. „Die Küche liegt an der alten Stelle. …An der Rückseite hinter der Küche Spuren einer gemauerten Wendeltreppe“ (nach Krüger/Reinecke 1906); diese Spuren vermutlich durch den Einbau der heutigen Treppe beseitigt.

Vollunterkellerung durch zwei Tonnengewölbe, senkrecht zur Straße. Die westliche Tonne schmaler und stärker gewölbt als die östliche, korrespondierend mit der Stellung der Fachwerkwand im EG. Mittelwand in Pfeiler-Segmentbogenarkaden-Gliederung aufgelöst, heute z.T. vermauert.

Im Zwischengeschoss in der Fachwerkwand zur Diele mehrere Fenster mit gefastem Mittelpfosten mit Resten von Beschlägen, Ständer im Bereich der Fenster ebenfalls gefast (vgl. Hofflügel Koltmannstr. 3!). Bestand wie in den Zeichnungen von G. Eitzen dargestellt. Unterkante des Unterzugs ebenfalls gefast. Balkenlage im vorderen Bereich höher gelegt.

Im OG ebenfalls Längsunterzug auf gefasten Stützen über der Fachwerkwand in der Diele. In der östlichen Traufwand große Öffnungen mit Segmentbogenstürzen, korrespondierend zur Außenseite. Stürze mit Viertelkreisziegeln gemauert, die auch die beiden oberen Schichten der Laibung einbeziehen.

Das Dachwerk als Kehlbalkendach mit drei geblatteten Kehlbalkenlagen, unter der unteren Lage ein stehender Stuhl mit ebenfalls gefasten Ständern, Sattelhölzer gefast mit geschweiften Unterseiten. Durchgängige römische Zählung der Abbundzeichen, beginnend am Nordgiebel, im Westen geschlagen, im Osten Dreiecke an geritzten Strichen. Zwischen dem 2. und 3. Gebinde von Nord Rest einer Windenanlage. Sparren des 6. Gebindes auf der Westseite unterhalb des mittleren Kehlbalkens ausgewechselt (Rauchabzug? Vgl. Rekonstruktionszeichnung von Gerhard Eitzen).

Eigentümer und Bewohner

Für das Grundstück sind zwischen 1486 und 1814 ausnahmslos Brauer als Eigentümer nachgewiesen. Im 16. Jh. sind von 1542 bis zu seinem Tod 1548 Dionysius Bredekow (Ratsmitglied und regierender Ratsherr in den 1530er und 1540er Jahren) und ab 1549 Melchior (I) Becker überliefert. Letzterer war Sohn der Witwe Bredekows aus ihrer ersten Ehe mit Andreas Becker (alle Angaben nach D´ham 2003, S. 32). Nach den Untersuchungen von Ulrich Brohm lebte in dem Gebäude von 1551 bis 1576 der Brauer Valentin Becker, ab 1580 dessen Neffe Melchior (II) (Querverbindung zum Grundstück Am Berge 37, das wohl bis 1551 im Besitz der Familie Becker war, s. pdf-Datei, insbesondere die S. 4 und 5).

Literatur: Böker 2010, S. 498 ff.; Dehio 1992, S. 902; Henschke 1997; Krüger/Reinecke 1906, S. 352

Quellen

  • Eigene Besichtigungen im November 2006 und Juli 2011

letzte Aktualisierung: 5. August 2011

Rote Straße 6

Rote Straße 6
Hausnummer vor 1818: CC 135, vor 1866: C 107

Datierungen

  • Terrakottatafel in der Straßenfassade zwischen EG und 1. OG: 1553 i

Kurzbeschreibung

Das Grundstück liegt an der vom Platz „Am Sande“ zum südlichen Stadtausgang (Rotes Tor) führenden Straße und verbreitert sich an der Rückseite zu den Nachbargrundstücken hin. Es ist zu vermuten, dass das Grundstück ursprünglich auch die Nachbarparzellen Rote Str. 5 und 7 sowie Ritterstraße (früher Hinter der Roten Mauer) 2, 3 und 4 umfasste (s. auch unter „Eigentümer und Bewohner“). Das Grundstück Rote Str. 7 war bis zum Beginn des 20. Jh. mit einem wesentlich kleineren zweigeschossigen Gebäude bebaut (s. Abb.).

Das stattliche dreigeschossige Vorderhaus ist traufständig zur Straße orientiert; auch die Stadtansicht um 1598 bildet diese Situation deutlich ab (s. Abb. links). Ältere Fotografien zeigen das hohe EG noch mit Zwischengeschoss (s. z.B. Abb. rechts); die heutige, an der Fassade auf 1968 datierte schlichte Struktur des EGs ersetzte eine Umgestaltung dieses Bereichs nach Entwürfen von Franz Krüger aus dem Jahre 1911 (s. Abb.). Über dem hohen Erdgeschoss noch die Fassadengliederung von 1553 erhalten, die mit den Fassaden der Häuser Am Sande 1, An der Münze 8a, Lünerstr. 3 und Lünertorstr. 4 zu vergleichen ist: Taustein-Formziegel rahmen die segmentbogigen Fensteröffnungen und bilden senkrechte Taustäbe zwischen den Fenstern, die oben mit ebenfalls tausteingerahmten Oculi abschließen. Unter beiden Obergeschossen horizontale Streifen mit Tausteinrahmung und Kreisblenden. Im Gegensatz zu den genannten Vergleichsobjekten sind hier nur die Formziegel schwarz glasiert, die Gestaltung insgesamt ruhiger und weniger plastisch.

In den Kreisblenden insgesamt 18 Terrakotta-Medaillons, teilweise in sehr schlechtem Zustand. Die über dem 2. OG angebrachten Medaillons zeigen Brustbilder bzw. Köpfe in Frontalansicht und mit kräftiger Reliefausladung, während die Medaillons über dem 1. und 2. OG profilsichtige Brustbilder im Flachrelief tragen; einige Motive wurden mehrfach verwendet. Die heutige Farbgebung „in Grautönen und unter Verwendung von Goldbronze“ wurde möglicherweise 1968 ausgeführt, darunter liessen sich jedoch ältere Anstriche nachweisen (Angaben nach D´ham 2003, S. 42 ff.). Die Terrakottaplatte mit der Jahreszahl 1553 unterbricht den unteren Tausteinrahmen; sie ist möglicherweise erst im Rahmen der zahlreichen baulichen Veränderungen im EG nachträglich hierher versetzt worden. Eine ähnliche Platte befindet sich am Haus Am Sande 1.

Beide Obergeschosse mit sechs Fensterachsen, die vorderen Gebäudeecken hier ebenfalls mit Taustein-Formziegeln betont. Das 1. OG mit deutlich größerer Geschosshöhe und größeren Fensteröffnungen als das 2. OG. Die beiden nördlichen Fenster im 1. OG ohne Segmentbögen und Tausteinrahmung, mit einem langen kräftigen Holzsturz überdeckt; der Tausteinrahmen unter diesen Fenstern nachträglich ergänzt (nach D´ham 2003, S. 44); hier ursprünglich ein Erker oder eine große Fensteröffnung anzunehmen. Der horizontale Tausteinrahmen unter dem 2. OG unter der dritten Öffnung von Süden für einen Lastenaufzug unterbrochen, das darüber gelegene Fachwerk-Zwerchhaus mit Luke aber jünger. Auf der gesamten Fassade über dem EG noch zahlreiche Detailbefunde und Fassungsreste, die unbedingt im Rahmen einer restauratorischen Untersuchung detailliert erfasst werden sollten: so z.B. Wechsel von Mauerwerksflächen mit/ohne Fugenritzung, Reste roter Anstriche und eines weißen Fugennetzes, Reste eines aufgemalten roten Dreiecksfrieses unter dem horizontalen Taustein-Band unter dem 2. OG (s. Abb.) und Störungen im Bereich der Fensteröffnungen und unter dem Zwerchhaus.

Die rückwärtige Traufseite durch jüngere Anbauten teilweise verdeckt. Große Flächen verputzt, Segmentbogenstürze mit glasierten Taustein-Formziegeln aber sichtbar (s. Abb.).

Die Umbauten des 20. Jh. im Inneren veränderten bzw. verdeckten ältere Raumstrukturen in allen Vollgeschossen. In den Zeichnungen von Franz Krüger aus dem Jahre 1911 im EG noch eine Durchfahrt sowie eine Wendeltreppe in der Nordwestecke zu erkennen, ebenso das hohe Dielengeschoss mit Galerie und Ständern. Im Keller noch ein Tonnengewölbe unter der Gebäudemitte, quer zur Straße; hofseitig ein ca. 2,50 m breites Tonnengewölbe über die gesamte Gebäudelänge.

Das Dachwerk als Kehlbalkendach mit drei geblatteten Kehlbalkenlagen (s. Abb.) erhalten: 12 Gebinde, überwiegend Nadelholz, Abbundzeichen in römischer Zählung (Straßenseite: geschlagene Striche, Hofseite: eingestochene Dreiecke). Unter der unteren Kehlbalkenlage stehender Stuhl, Ständer gefast, Sattelhölzer ebenfalls gefast und doppelt geschweift. Insgesamt große Ähnlichkeiten der Abbunddetails mit dem Dachwerk von Lünertorstr. 4. Auf der ersten Kehlbalkenlage etwa in Dachmitte noch gängiges Transportrad erhalten (s. Abb.).

Eigentümer und Bewohner

„Nach dem Ableben der Witwe von Hans Notke ging das Eigentum 1534 an Lambert Weddehaus über. 1573 geht das Haus vom verstorbenen Engelke Proffen an Heinrich (I) Budeler über. Proffen sei Ältermann der Bäcker gewesen. Vermutlich … durch Heirat der Witwe oder Tochter des Lambert Weddehaus in den Besitz des Hauses … gekommen. Daneben habe er noch 3 Backhäuser und das Gebäude „Rote Str. 7“ besessen“ (D´ham 2003, S. 44 f.).

Literatur: Böker 2010, S. 538 f.; Dehio 1992, S. 903; D´ham 2003, S. 42 ff.; Krüger/Reinecke, S. 371; Sarnighausen 2011

Quellen

  • Eigene Besichtigungen im November 2006 und Juli 2011

letzte Aktualisierung: 10. August 2011

Salzstr. am Wasser 1

Salzstr. am Wasser 1
Hausnummer vor 1818: BB 210, 211; vor 1866: B 156

Datierungen

  • 1408 d, um 1517, um 1572, 1589 d (nach Böker 2009, S. 557)
  • Sandsteintafel an der südöstlichen Gebäudeecke:1590 i

Kurzbeschreibung

Direkt am alten Hafen und an der Straße zum ehemaligen Lüner Tor gelegenes Grundstück mit Erschließung von allen vier Seiten: Salzstraße am Wasser im Osten, Lüner Straße im Süden, Im Wendischen Dorfe im Westen und Viskulenhof im Norden. Zur Bebauung des Grundstücks gehört neben dem mit dem Giebel nach Osten gerichteten Dielenhaus noch jüngere Bebauung des 19. und 20. Jh. im westlichen Teil sowie bis zum Anfang des 20. Jh. auch das heutige Grunstück Salzstr. am Wasser 1a, das nach einem Entwurf des Architekten Franz Krüger von 1911 mit einem Wohnhaus neu bebaut und aus der Parzelle herausgelöst wurde (s. Urkataster 1875).

Die für das Gebäude veröffentlichten Datierungen belegen eine rege Bautätigkeit im 16. Jh., die sowohl im Inneren als auch in den Fassaden noch heute deutlich ablesbar ist – allerdings haben zahlreiche Eingriffe des 18. bis 20. Jh. die Substanz so stark verändert, dass detaillierte bauhistorische und restauratorische Untersuchungen dringend notwendig erscheinen, um die Baugeschichte des Gebäudes umfassend zu klären.

An den Fassaden des Gebäudes die Innenstruktur eines Dielenhauses deutlich zu erkennen: hohes EG mit Zwischengeschoss, darüber niedriges Speichergeschoss und das hohe Dach mit weiteren Speicherebenen. Der Giebel nach Osten im Dachbereich im 19. Jh. in schlichten Formen erneuert, auch der Bereich des hohen Dielengeschosses mit den Utluchten wohl im 19./20. Jh. mehrfach verändert, das ehemalige Portal zwischen den Utluchten heute durch ein Fenster ersetzt. Über dem EG noch ein kräftiger langer Holzsturz, der durch geschweifte geschmiedete Klammern mit den anschließenden Traufwänden verbunden ist (s. Abb.). Das OG durch sechs Nischen mit Segmentbogen gegliedert, die dritte von Süden nachträglich geschlossen. Doppelt gestufte Stürze und Laibungen mit Viertelkreis-Formziegeln, einige spätere Instandsetzungen. In Brüstungshöhe und über dem Fenstern horizontale Putzstreifen, die auf früher vorhandene Taustein-Formziegelbänder hindeuten. Maueranker über dem OG schlicht und aus einem Stück (s. Abb.).

Die südliche Traufseite ebenfalls mit zahlreichen Veränderungen des 19. und 20. Jh. (Zwerchhaus, Fensteröffnungen, Mauerwerk im EG). Von Bedeutung für die ältere Substanz hier wie am Giebel der Bereich des OGs: über einem ebenfalls langen und kräftigen Holzsturz noch vier Zieranker mit Splint in Lilienform (s. Abb.). Im Brüstungsbereich Teilflächen mit Ziermauerwerk, heute teilweise verputzt und ursprünglich wohl auch mit Rahmung aus Taustein-Formziegeln (s. Abb.). Die Luken hier ebenfalls in Reihung vorhanden, allerdings nur mit einfach gestufter Laibung aus Viertelkreis-Formziegeln. Die Sandsteintafel mit der Inschrift „ANNO DOMINI 1590“ unmittelbar vor der Gebäudeecke sitzend, hier sicherlich nicht ursprünglich.

Auch im Inneren die ältere Substanz des 16. Jh. durch jüngere Um- und Einbauten teilweise gestört bzw. verdeckt. Keller in Teilbereichen mit Balkendecken und Tonnengewölbe. Die hohe Diele mit eingebautem Zwischengeschoss noch heute erlebbar, als Gaststätte genutzt. Das OG 1589 d aufgesetzt, das alte Dachwerk nach der Aufstockung mit geblatteten Kehlbalken und geblattetem First neu aufgerichtet. Im OG noch Reste einer ehemals gewölbten Darre (alle Angaben zur Innenstruktur nach Böker 2010, S. 557).

Eigentümer und Bewohner

Informationen zu den Eigentümern des Grundstücks von 1405 bis 1682 wurden von Ulrich Brohm 2007 zusammengestellt (s. pdf-Datei). Demnach kann als Auftraggeber der Bautätigkeit um 1517 der Fernhändler Clawes Kroger nachgewiesen werden. Für die baulichen Veränderungen um 1572 war der Pächter und Brauer Peter Hertel oder der Brauer Sievert Mathias verantwortlich, für die Bautätigkeit im Jahre 1590 kommen sowohl der in eben diesem Jahr verstorbene Brauer Hinrick Kroger als auch sein Nachfolger und Schwiegersohn Lambert Büdeler, ebenfalls Brauer, als Auftraggeber in Frage. Bautätigkeit ist also in diesem Haus immer in Jahren des Besitzwechsels nachzuweisen. Das Haus wurde seit dem 16. Jh. noch bis in das 20. Jh. als Brauhaus genutzt!

Literatur: Böker 2010, S. 556 f.; Dehio 1992, S. 903

letzte Aktualisierung: 12. August 2011