Die Praxis der Baudenkmalpflege in Deutschland im Vergleich mit europäischen Nachbarländern

Die vergangenen, rund 25 Jahre sind durch erhebliche Veränderungen auf dem Gebiet der Baudenkmalpflege in Deutschland gekennzeichnet. Besonders hervorzuheben sind:

  • Die Reformierung der Behördenstrukturen und der Denkmalschutzgesetze, die mit einem massiven Personalabbau und einer Aufgabenverschiebung von der Landes- auf die Kommunalebene einher ging, ohne dass gleichzeitig die Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörden verbindlich definiert worden wären. In der Folge war und ist häufig zu beobachten, dass die Aufgaben der Unteren Denkmalschutzbehörden nur noch als „Teil-Arbeitsbereiche“ von Mitarbeitern wahrgenommen werden, die weder über die notwendigen Arbeitszeitanteile noch über das in der Baudenkmalpflege notwendige Fachwissen verfügen.
  • Steigende fachliche Anforderungen an die in der Denkmalpflege freiberuflich tätigen Architekten und Ingenieure (als Beispiel seien hier nur die steigenden Anforderungen an Wärmeschutz und Energieeinsparung genannt, die erhebliches bauphysikalisches Fachwissen erfordern). Anforderungen an die Qualifikation für die Betreuung von Projekten in der Baudenkmalpflege werden von Seiten der Gesetzgeber nach wie vor nicht gestellt; Anträge auf denkmalrechtliche Genehmigungen darf sogar jedermann/jedefrau stellen!
  • Der Rückgang des Stellenwerts der für eine qualifizierte Baudenkmalpflege unerlässlichen Lehrinhalte in der akademischen Ausbildung von Architekten an vielen Hochschulen und Universitäten. In der akademischen Ausbildung von Bauingenieuren haben diese Inhalte ohnehin in der Regel keine oder höchstens sehr geringfügige Bedeutung.


Angesichts dieser Entwicklungen in Deutschland stellte sich in den vergangenen Jahren immer wieder die Frage, wie die Denkmalpflegepraxis, insbesondere die Rolle von Architekten, in anderen europäischen Ländern im Vergleich einzuschätzen ist, z.B. in Ländern mit einer vielschichtigen und reichhaltigen Denkmallandschaft und Denkmalpflegetradition wie Italien, Frankreich, England, Niederlande oder Dänemark. Derartige Vergleiche werden in der deutschen Fachliteratur auffällig selten thematisiert, ein Erfahrungsaustausch mit den Nachbarländern findet hauptsächlich auf der Ebene der Hochschulen statt, sehr selten aber zwischen Mitarbeitern der Denkmalschutzbehörden.
Vor diesem Hintergrund ist geplant, in den kommenden Jahren den Austausch mit FachkollegInnen im benachbarten Ausland aufzunehmen bzw. zu intensivieren. Im Jahre 2014 fand eine erste mehrmonatige Studienreise statt: in Fachgesprächen und Interviews mit Architekten, Ingenieuren und Restauratoren in freien Büros, Denkmalschutzbehörden und an italienischen Universitäten konnten Vergleiche zur italienischen Ausbildung und Berufspraxis in der Baudenkmalpflege hergestellt und natürlich auch beispielhaft realisierte Projekte bzw. aktuelle Baustellen besichtigt werden. 

Einen ersten Kurzbericht über diese Reise können Sie hier als pdf-Datei herunterladen.