Dachkataster Altstadt Wismar

Ein Projekt der: Hochschule Wismar http://www.hs-wismar.de/ und der Hansestadt Wismar http://www.wismar.de/

Letzte Aktualisierung: 13. Januar 2015

Erläuterungen

Das Forschungsprojekt „Dachkataster Altstadt Wismar“ wurde im Jahre 2009 auf der Grundlage eines Vertrages zwischen der Hansestadt Wismar und der Hochschule Wismar begonnen. Die Laufzeit des Projektes war auf fünf Jahre angelegt, das Projekt wurde somit im Jahre 2013 abgeschlossen.

Ziel des Projektes war die flächendeckende Darstellung der Dachformen und des bekannten bzw. geschätzten Dachalters aller Gebäude und Gebäudeteile in der Wismarer Altstadt als Teil des zu erarbeitenden Denkmalplans. Die Darstellung erfolgt blockweise im Maßstab 1:500. Sie begann 2009 mit den Blöcken 1 bis 12 und endete 2013 mit den Blöcken 49 bis 60. Die Bearbeitung erfolgte an der Hochschule Wismar unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Frank Braun. Die Kosten für die studentischen Hilfskräfte sowie für Büromaterial etc. wurden durch die Hansestadt Wismar finanziert.

Kartengrundlage ist eine digitale Darstellung der Baustrukturen in der Wismarer Altstadt, die vom Entsorgungs- und Verkehrsbetrieb der Hansestadt Wismar zur Verfügung gestellt wurde. In diese Karte wurden (nach einer Überarbeitung bzw. Ergänzung der dargestellten Bebauung) alle Dachformen als Dachaufsichten auf der Grundlage eigener Begehungen eingetragen. Die Dachaufsichten stellen somit immer den (auch auf den Zeichnungen vermerkten) Stand zum Zeitpunkt der Bearbeitung dar, spätere Änderungen wurden nicht eingearbeitet.

Dachformen
  • Die Karte der Dachformen stellt die in der Wismarer Altstadt vorkommenden Dachformen in unterschiedlichen Farben dar. Die Gesamtkarte und ein Beispiel (Block 1) sind rechts anzuklicken. Aufgrund der bau- und stadtbaugeschichtlichen Entwicklung Wismars wurden die folgenden Dachformen in Gruppen zusammen gefasst:


    Satteldach/Pultdach (steil)
    Diese Dachform war bis in das 19. Jahrhundert weitaus am häufigsten vertreten. Mit dem Zusatz "steil" wurde diese Gruppe versehen, da Dachneigungen im Rahmen des Projektes nicht gemessen werden können; als Kriterium für die Zuordnung von Dächern zu dieser Gruppe war die Dachdeckung maßgebend: alle Dächer mit "harten" Deckungen (Ziegel, Betondachsteine) verfügen über eine Dachneigung von deutlich über 30°, in der Regel sogar deutlich über 45°, in Einzelfällen bis über 60°.


    Walmdach
    Einige (insbesondere traufständige) Gebäude verfügen über ein beidseitig abgewalmtes Dach. Diese Dachform tritt in Wismar nur selten auf und wurde daher als Besonderheit kartiert.


    Mansarddach (steil)
    Zu dieser (in der Wismarer Altstadt ebenfalls selten vorkommenden) Gruppe werden alle Dächer mit der Form des "klassischen" Mansarddaches gerechnet, das sowohl in der unteren steilen Dachfläche als auch in der oberen, flacher geneigten Fläche mit Ziegeln oder Betondachsteinen gedeckt ist.


    Mansarddach (flach)
    Im Gegensatz zu den steilen Mansarddächern tritt seit etwa 1880 in Wismar eine Sonderform des Mansarddaches sehr häufig auf, die durch eine sehr flach geneigte und mit Dachpappe gedeckte obere Dachfläche gekennzeichnet ist. Diese Dachform wurde daher gesondert kartiert.


    "Berliner Dach"
    Unter dem Oberbegriff "Berliner Dach" werden im Querverband unsymmetrische Dachformen zusammengefasst. Der Begriff deutet darauf hin, dass diese Dachformen gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus den Großstädten nach Wismar kamen. Diese Dachform setzt sich in der Regel aus zur Straße steiler geneigten und zum Hof flacher auslaufenden Dachflächen zusammen. Die steilen Dachflächen sind häufig mit Betondachsteinen oder Falzziegeln, die flacheren Flächen mit Dachpappe gedeckt.


    Satteldach/Pultdach (flach)
    Im Gegensatz zu den steilen Sattel- und Pultdächern gehören zu dieser Gruppe die mit Dachpappe oder Schweißbahnen gedeckten flach geneigten Dächer mit Dachneigungen, die in der Regel deutlich unter ca. 30° liegen, aber (im Gegensatz zu den Flachdächern) über eine deutlich erkennbare Dachneigung und eine vorgehängte Rinne als Dachentwässerung verfügen.

    Flachdach
    Als Flachdach wurden alle Dachformen kartiert, die keine deutlich erkennbare Dachneigung aufweisen.
    Sonstige Dachformen
    Als sonstige Dachformen wurden alle Dachformen kartiert, die nicht den erläuterten Dachformen zugeordnet werden konnten. In der Mehrzahl sind dies jüngere, meist unsymmetrische und oft nur einmalig auftretende Dachformen der Zeit nach 1990 (s.u.).
    Keine Angaben
    Ohne farbige Hinterlegung bleiben Gebäude und Gebäudeteile, die im Rahmen des Projektes nicht erfasst werden konnten (überwiegend Anbauten und Nebengebäude in nicht zugänglichen Blockinnenbereichen).

Dachalter

Die Dachalterskarte zeigt in farbiger Darstellung das Baualter der einzelnen Dächer. Gesicherte Datierungen sind mit Volltonfarben dargestellt und durch Inschriften, dendrochronologische Untersuchungen oder archivalische Informationen sicher belegt. Geschätzte Datierungen sind schraffiert dargestellt und beruhen auf Analogieschlüssen zu vergleichbaren, sicher datierten Dächern (Abbundmerkmale, Dachform etc.).

Dächer, deren Alter zum Zeitpunkt der Bearbeitung nicht bekannt war, sind in grau dargestellt.

Beispiel Block 1 (links);   Gesamtkarte (rechts)


Alle Datierungen wurden den folgenden Baualtersgruppen zugeordnet:

Bis 1500
Aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammen die ältesten erhaltenen Dachwerke in der Wismarer Altstadt, die dendrochronologisch datiert wurden. Die Dachwerke dieser Zeit sind in der Mehrzahl durch eine sehr steile Dachneigung (meist über 60°), Abbundzeichen in additiver Zählung von Strichen oder anderen Marken sowie Sparren-Kehlbalken-Verbindungen in Hakenblattform gekennzeichnet. Am First sind die Sparren in der Regel miteinander verblattet. Als Holzarten treten Eiche und Kiefer auf (Beispiel links: Spiegelberg 47).

16./17. Jahrhundert (1501-1700)
Während aus dem 16. Jahrhundert bisher nur recht wenige datierte Dachwerke bekannt sind, liegen zahlreiche Datierungen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Dächer des 16. und 17. Jahrhunderts zeigen durchweg Abbundzeichen in römischer Zählweise, die Kehlbalken sind mit den Sparren in der Regel durch Schwalbenschwanzblätter verbunden. Überwiegend, aber nicht ausschließlich wird Kiefernholz verwendet. Die Dachneigungen liegen zwischen 55 und 60° (Beispiel rechts: Krämerstraße Ostseite).

18. Jahrhundert (1701-1800)
Aus dem 18. Jahrhundert sind bisher nur sehr wenige Dachwerke bekannt. Sie sind durch eingezapfte Kehlbalken, eingeschlagene römisch gezählte Abbundzeichen und die überwiegende Verwendung von Kiefernholz zu charakterisieren. In dieser Phase ist gelegentlich das Mansarddach bzw. das Walmdach anzutreffen (Beispiel links: Lübsche Str. 83).

1801-1879
Aus dem 19. Jahrhundert sind bisher nur wenige Dachwerke sicher datiert. Das 19. Jahrhundert ist geprägt durch den Übergang zu flacheren Dachneigungen (unter 50°). Die Abbundzeichen werden spätestens ab dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts überwiegend als gestemmte kurze Zeichen in römischer Zählung ausgeführt. Gelegentlich tritt im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts noch das Mansarddach auf. Das „klassische“ Satteldach bleibt aber bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts die dominierende Dachform (Beispiel links: Hinter dem Chor 21).

1880-1918
Erst ab etwa 1880 treten mit schnell zunehmender Häufigkeit sowohl das flache Mansarddach als auch auch das „Berliner Dach“ auf, die dem Wismarer Stadtbild in der Zeit bis zum Beginn des ersten Weltkrieges insbesondere in den Randbereichen einen deutlichen Stempel aufdrücken. Zusätzlich aus der Baustruktur der Baublöcke herausgehoben werden die Gebäude mit diesen Dachformen durch ihre Höhe (in der Regel drei Vollgeschosse) (Beispiel rechts: Krämerstraße Westseite).

1918-1945
Die Zeit bis zum Ende des zweiten Weltkrieges ist durch eine insgesamt eher geringe und uneinheitliche Bautätigkeit in der Wismarer Innenstadt gekennzeichnet (Beispiel links: Feuerwache).

1946-1989
Dieser Zeitabschnitt ist zunächst durch traditionelle Wohnungsneubauten mit Satteldächern (zum Teil nach Bombenschäden des zweiten Weltkriegs), in der späteren Phase durch industriellen Wohnungsbau geprägt. Der Abriss ganzer Stadtquartiere wie z.B. in Greifswald hat in Wismar jedoch nicht stattgefunden (Beispiel rechts: Grützmacherstr. 4/6/8).

seit 1990
Mit der Wiedervereinigung setzte in der Wismarer Altstadt eine umfassende Instandsetzungs- und Modernisierungwelle vorhandener Bausubstanz ein, die sich in der Dachalterskarte kaum abbildet. Parallel entstanden jedoch eine ganze Reihe von Neubauten in Baulücken.

Kontakt/ Impressum

Prof. Dr.-Ing. Frank Braun (Projektleiter)
Hochschule Wismar 
Fakultät für Ingenieurwissenschaften 
Bereich Bauingenieurwesen 
Postfach 1210 
23952 Wismar
Tel.: +49 (0) 3841-753-7205 
Fax: +49 (0) 3841-753-7133
e-Mail: frank.braun@hs-wismar.de


Bearbeiter des Projektes


Martina Friese B.Eng.        2009 - 2010
Martin Brüdigam B.Eng.     2010 - 2011
Robert Harnack B.Eng.      2011 - 2012
Ulrike Hartwig B.Eng.        2012 - 2013
Ina Romanski B.Eng.        2013
Erik Luther B.Eng.            2013

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